Editorial

Wir müssen auch neue Wege gehen!

Michael von Hertell Vorsitzender des IHK Berufsbildungsausschusses

Die gute Nachricht zum Start des Ausbildungsjahres am 1. September ist eine Trendwende. Bundesweit gesehen konnten die Unternehmen wieder mehr Ausbildungsverträge (+19.000) abschließen. Der Abwärtstrend wurde so gestoppt, trotz weniger Schulabsolventen und nach wie vor hoher Studienneigung. Die schlechte Nachricht ist, dass wir aktuell in Oberfranken immer noch knapp 3.200 Lehrstellen nicht besetzen können. Uns fehlen also sehr viele künftige Fachkräfte, die wir selbst ausbilden könnten, und das passgenau auf die Anforderungen der betrieblichen Praxis. Die Fachkräftelücke klafft so weiter auf, wir erwarten 2020 bis 2030 einen Anstieg der Fachkräftelücke in ganz Oberfranken von 23.400 auf unglaubliche 46.400 nicht besetzbare Stellen.

Aber jammern hilft uns nicht weiter! Was können wir tun? Zusammen mit der IHK haben die Unternehmen viele Aktivitäten entwickelt, damit wir junge Leute für eine berufliche Ausbildung begeistern können. Im Haus der kleinen Forscher gehen wir in die Kindergärten und interessieren schon die Jüngsten für Naturwissenschaften und Technik. Wir machen Besuche in den Schulen zur Berufsorientierung, bieten Praktika an, über die Wirtschaftsjunioren wird das Wirtschaftswissen im Wettbewerb getestet. Leider gibt es immer noch viel zu wenige P-Seminare in Gymnasien mit Wirtschaftsbezug. Dabei war das eine hervorragende Idee der Staatsregierung, wie man die Schüler an die Arbeit in unseren Betrieben heranführen könnte. Ganz wichtig bleiben die Ausbildungsmessen, die in jedem Landkreis stattfinden, denn dort können wir den Schulabsolventen in der Phase der Berufsorientierung unsere Ausbildungsangebote vermitteln. Das Berufsorientierungsmagazin der IHK, die „Fit for Job“, kommt sogar direkt in die Schulen, denn es wird von den Auszubildenden der IHK vor Ort abgeliefert. Das Magazin hat sich gut entwickelt, orientiert sich bei Grafik und Sprachstil an den Gewohnheiten der Jugendlichen, darum wird es gerne im Unterricht genutzt. Je mehr Unternehmen diese Aktivitäten mit ihrem Engagement begleiten, desto erfolgreicher werden wir sein.

Wir können auch in unseren eigenen Betrieben noch viel tun, damit die Berufsausbildung moderner, attraktiver und erfolgreicher wird. Viele Hinweise dazu gibt die Bildungsumfrage des DIHK, die jetzt veröffentlicht wurde ( http://ihkofr.de/8j). Zwar sind für 77 Prozent der Teilnehmer gute IT-Kenntnisse der Jugendlichen ein wichtiges Einstellungskriterium, aber die Umsetzung der Digitalisierung in die Arbeitswelt kommt nur langsam voran.

Wir müssen dabei die jungen Leute auch mit den Mitteln arbeiten lassen, die sie aus ihrem Privatleben schon gewohnt sind. Sie werden so zu den künftigen Treibern des digitalen Wandels im Betrieb. Da muss es uns schon beunruhigen, dass nur in 14 Prozent der Ausbildungsberufe Kompetenzen zur Nutzung digitaler Lernmedien vermittelt werden.

Für 2020 steht auch wieder eine Veranstaltung an, die mich bei ihrer Premiere völlig begeistert hat. Der AzubiVideo-Contest der IHK feierte kurze Filme, mit denen die Auszubildenden für ihren Betrieb
und ihren Ausbildungsberuf Werbung machten. Die Begeisterung, die dabei zu hören und zu sehen war, hat mir gezeigt, wie positiv die jungen Leute unserer Dualen Ausbildung in Deutschland gegenüber stehen.

Wir müssen in der Berufsausbildung auch neue Wege gehen! Gehen Sie mit!

Ihr
Michael von Hertell
Leiter Berufsausbildung REHAU Gruppe