IHK für Oberfranken Bayreuth

Weiterbildung braucht Förderung

Für einen erfolgreichen Strukturwandel braucht es qualifiziertes Personal in allen Bereichen der Wirtschaft. Diese Erkenntnis führt auch in der Politik zu mehr Bewusstsein, weiterführende Bildungsangebote zu schaffen. Für die kommenden Jahre sind daher höhere Investitionen und der Ausbau von Initiativen im Weiterbildungsbereich geplant.

Um die bevorstehenden Transformationsprozesse für Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit geeigneten Maßnahmen zu flankieren, wollen Bund und Länder ihre Bildungspolitik reformieren. Unter anderem sollen Programme der beruflichen Weiterbildung stärker in den Fokus genommen und um Fördermöglichkeiten erweitert werden. Sowohl Betrieben als auch Beschäftigten sollen gesetzliche Neuerungen und Initiativen zugutekommen.

Entwurf für „Chancengleichheitsgesetz“ beschlossen

Bereits im September hatte das Bundeskabinett verschiedene Reformansätze von Arbeitsminister Hubertus Heil diskutiert und befürwortet. Angesichts der Ergebnisse des „Fachkräftemonitors“ seines Ministeriums würden bis 2025 rund 1,6 Millionen Jobs wegfallen, gleichzeitig aber mehr als 2,3 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. Die Stellschraube für rasante Veränderungen in der Berufswelt könne nur eine nationale Weiterbildungsstrategie sein. Diese sieht vor, breiten Bevölkerungsteilen einen beruflichen Aufstieg zu erleichtern, die Fachkräftebasis zu stärken und Beschäftigungsfähigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt nachhaltig zu fördern. In der Sitzung des Kabinetts sprachen sich die Vertreter der Koalition für den vom Minister vorgelegten Entwurf eines Chancengleichheitsgesetzes aus. Darin ist der Ausbau von Fördermöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit vorgesehen. Zwar bleiben Unternehmen und Beschäftigte selbst verantwortlich für die Weiterqualifizierung, jedoch kann ein Teil der Kosten künftig von der Bundesagentur übernommen werden, wenn sich Arbeitgeber daran beteiligen. Zudem erhalten Unternehmen Lohnkostenzuschüsse, sofern sie ihre Mitarbeiter während der Weiterbildung unter Fortzahlung des Arbeitsentgelts freistellen. Die Kostenbeteiligung soll sich dabei nach der Betriebsgröße richten.

Pakt für berufliche Weiterbildung 4.0 in Bayern

Dass ein höherer Qualifizierungsbedarf bei zunehmenden Digitalisierungsprozessen notwendig sein wird, hat auch die Bayerische Staatsregierung erkannt. Im Juni 2018 unterzeichnete sie deshalb mit dem Bayerischen Handwerkstag, dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag, dem Deutschen Gewerkschaftsbund Bayern sowie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. und Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit den Pakt für berufliche Weiterbildung 4.0 zur Intensivierung der Zusammenarbeit. Neben einer flächendeckenden Informationskampagne sollen verschiedene Maßnahmen und Projekte initiiert werden, um der Weiterbildung in der öffentlichen Wahrnehmung einen höheren Stellenwert zu verschaffen. Mit zusätzlichen Beratungsangeboten wie Bildungsschecks, Weiterbildungsinitiatoren und Digitalisierungspädagogen oder Kooperationsplattformen wie „Arbeitswelt 4.0“ im Zentrum Digitalisierung.Bayern verfolgen die Paktpartner eine umfassende Weiterbildungsoffensive.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner sieht in den Plänen der Bundes- und Landesregierungen einen großen Fortschritt: „Als IHK können wir die Überlegungen der Politik, mehr denn je in die berufliche Weiterbildung zu investieren, nur ausdrücklich begrüßen. Gerade wenn es um konkrete Maßnahmen geht, wie wir den Herausforderungen einer sich verändernden Arbeitswelt begegnen wollen, müssen wir die Entwicklung zukunftsfähiger Qualifizierungskonzepte vorantreiben und allen Beschäftigten zugänglich machen“, so Hohenner.