Deutsch-Tschechische IHK

Von der verlängerten Werkbank zum Technologie-Hub

Interview mit Bernard Bauer, geschäftsführender Vorstand der Deutsch-Tschechischen IHK in Prag.

Bernard Bauer, geschäftsführender Vorstand der Deutsch-Tschechischen IHK in Prag.

Herr Bauer, Sie sind seit 13 Jahren geschäftsführender Vorstand der Deutsch-Tschechischen IHK – hat sich die Tätigkeit der AHK in diesen Jahren verändert?

Ja, ganz sicher. Die DTIHK in Prag wurde 1993 gegründet. In den Anfangsjahren haben wir vor allem deutsche Unternehmen bei Investitionen im Nachbarland unterstützt, ihnen Türen geöffnet, Partner gesucht, Kontakte geknüpft. Da gab es eine enorme Nachfrage nach den ganz grundlegenden Informationen und Services der Markterschließung. Tschechien war ja noch ein bisschen Terra incognita.

Inzwischen beschäftigen sich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr nur mit Marktrecherchen oder Rechts- und Steuerfragen. Über unsere Kompetenzzentren für Zukunftstechnologien, Energie & Umwelt, Ernährungswirtschaft sowie Maschinenbau & Automotive erhalten deutsche Firmen branchenbezogene Marktanalysen und kompetente Beratung, wie sie das Innovationspotenzial des tschechischen Marktes nutzen können. Auch mit Start-ups arbeiten wir seit einigen Jahren intensiv zusammen.

Wir als IHK arbeiten seit 1992 eng mit unseren Kollegen aus dem Bezirk Karlsbad zusammen. Eine Reihe oberfränkischer Unternehmen haben seit vielen Jahren Tochterfirmen in Tschechien. Bei den Anfragen nach Kooperationspartnern merken wir in den letzten Jahren einen Trend von einfachen Montage- oder Näharbeiten hin zur Suche nach Partnern für Service und technologisch anspruchsvollere Kooperationen. Stimmt das mit Ihren Beobachtungen überein?

Ja, auch wir als AHK können das bestätigen. Dabei spielen in den Überlegungen der Firmen niedrigere Lohnkosten nicht mehr unbedingt die herausragende Rolle wie noch vor ein paar Jahren. Deutsche Unternehmen schätzen die Kreativität und hohe Leistungsbereitschaft der gut ausgebildeten Mitarbeiter ebenso wie die entwickelte Zulieferindustrie. Zunehmend agieren tschechische Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen eigenständig im Markt. In den letzten Jahren haben tschechische Unternehmen in neue Technologien investiert. Mit einem Netz von Innovationszentren, oft in enger Kooperation mit Universitäten und Hochschulen, unterstützt die tschechische Regierung Forschung und Innovation. Herausragen dabei die Region um die Hauptstadt Prag, der durch die Kfz-Industrie geprägte westböhmische Bezirk Pilsen und die Region rund um die nordmährische Messestadt Brünn. Tschechien hat sich zum fünftattraktivsten Produktionsland in der EU entwickelt.

Die Regierung der Tschechische Republik hat eine weitere Innovationsoffensive angekündigt. Wo geht der Trend hin?

Geplant sind vor allem, Forschung und Entwicklung digitaler Prozesse voranzutreiben. Tschechien möchte in den kommenden Jahren ein europäischer Hub für Künstliche Intelligenz werden. Auch Robotik, E-Mobilität, Nanotechnologien und Luft- und Raumfahrt sind Themen, an denen bereits intensiv gearbeitet wird.

Und wie sieht es mit der Verfügbarkeit von Fachkräften aus?

Das ist tatsächlich ein Problem, denn in Tschechien herrscht Vollbeschäftigung. Eine duale Berufsausbildung gibt es nicht. Allerdings überlegt die Regierung in Prag, sich dem slowakischen Modell einer dualen Berufsausbildung anzunähern. Auch in Tschechien geht der Trend immer noch eher zum Studium als zu einer Ausbildung. Deutsche Unternehmen versuchen, ihre Arbeitskräfte zum Teil im Firmenverbund oder in Kooperationen mit örtlichen Berufsschulen auszubilden. Wichtig sind eine gute Bezahlung der Arbeitnehmer, innovative und spannende Arbeitsplätze sowie Qualifizierungsangebote. Auch wir als AHK bieten Fachseminare und Inhouse-Schulungen an. Stolz sind wir, dass wir seit 2008 den praxisorientierten Weiterbildungslehrgang zum European EnergyManager (IHK) exklusiv durchführen können.

Herr Bauer, wir danken Ihnen für das Gespräch.