Steuerrecht: Das ändert sich 2020

Unternehmen können von neuen Regelungen profitieren – doch nicht alle Gesetzespläne sind unumstritten

©?Tom Bayer–stock.adobe.com

Von der Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel über steuerliche Unterstützung von Forschungsvorhaben bis hin zu zahlreichen Neuerungen für die Lohnbuchhaltung: Das Jahr 2020 hält für Unternehmen wieder zahlreiche Änderungen im Steuerrecht bereit. Hier ein Überblick.

Bereits im Sommer 2019 hatte das Bundesfinanzministerium einen Entwurf für das „Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ vorgelegt. In Bezug auf E-Fahrzeuge umfasst es im Wesentlichen die Verlängerung bereits bestehender Regelungen. So müssen Arbeitnehmer bei der privaten Nutzung eines Elektro- oder Hybriddienstwagens nun bis 2030 nur 50 Prozent des geldwerten Vorteils versteuern. Ursprünglich sollte die Regelung bereits 2021 auslaufen. Das Aufladen von Batterien im Unternehmen bleibt ebenfalls bis 2030 steuerfrei. Gleiches gilt für Dienstfahrräder, die der Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt zur Verfügung stellt.

Neu ist dagegen die Möglichkeit einer Sonderabschreibung bei der Anschaffung von elektrisch betriebenen Lieferwagen. Als Ergänzung zu den bereits bestehenden Abschreibungsregelungen soll sie einmalig 50 Prozent der Anschaffungskosten betragen. Die Regelung gilt (voraussichtlich ebenfalls bis 2030) für kleine und mittelgroße, gewerblich genutzte E-Lieferfahrzeuge.

Zu den Neuerungen, die ab 2020 von den Lohnbuchhaltungen in Unternehmen beachtet werden müssen, zählt die pauschale Besteuerung für Jobtickets von 25 Prozent (bei Entgeltumwandlung). Das heißt: „Künftig sollen auf das Jobticket, das Mitarbeiter aus ihrem Gehalt finanzieren, nur 25 Prozent Steuern anfallen“, wie Steuerexperten der Stiftung Warentest schreiben. „Es bleibt sozialversicherungsfrei. Zudem können sie trotzdem die Entfernungspauschale für den Arbeitsweg absetzen. Gibt es das Jobticket zusätzlich zum Gehalt, ist es nach wie vor steuerfrei.“

Zudem steigen bei anfallenden Reisekosten die Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen. Bei einer Auswärtstätigkeit von mehr als acht Stunden beträgt die Pauschale vom nächsten Jahr an 14 statt wie bisher zwölf Euro, bei 24 Stunden steigt sie auf 28 Euro. An- und Abreisetage schlagen bei mehrtägigen Reisen mit 14 Euro zu Buche.

Eine weitere Änderung betrifft Wohnungen, die der Arbeitgeber dem Beschäftigten zur eigenen Nutzung überlässt. Hier wird ein sogenannter Bewertungsabschlag eingeführt. Damit soll Mitarbeitern das Wohnen in unternehmenseigenen Immobilien erleichtert werden. Der geldwerte Vorteil, den Arbeitnehmer aus der günstigen Miete erzielen, soll nicht mehr wie bisher versteuert werden. „Bislang war grundsätzlich die Differenz zwischen der vom Arbeitnehmer tatsächlich gezahlten Miete und der ortsüblichen Miete als Sachbezug zu versteuern“, erklärt Marcel Radke, Steuerberater und Gesellschafter bei der Steuerberatungsgesellschaft WW+KN. Künftig soll diese Steuer entfallen: Voraussetzungen: Die Miete für die  Mitarbeiterwohnung beträgt mindestens zwei Drittel der ortsüblichen Miete (sie ergibt sich aus dem örtlichen Mietspiegel). Und: Diese ortsübliche Nettokaltmiete liegt nicht höher als 20 Euro pro Quadratmeter. Experte Radke: „Diese Obergrenze soll die Anwendung des Bewertungsabschlages auf Luxuswohnungen verhindern.“ Für Unterkünfte, die rechtlich keine vollständige Wohnung darstellen, gelte wie bisher der amtliche Sachbezugswert.

Apropos Mietwohnungen: Für Vermieter soll künftig die Möglichkeit bestehen, neue Wohnungen (Höchstkosten: 3.000 Euro pro Quadratmeter) in den ersten vier Jahren mit jeweils 28 Prozent abzuschreiben. „Das gilt bei Bauantrag und Bauanzeige ab dem 1. September bis Ende 2021“, so die Warentest-Steuerexperten.

Diskussionen gab es bis zuletzt über das geplante Gesetz zur steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung, kurz Forschungszulagengesetz (FzulG). Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sollen so in die Lage versetzt werden, mehr in diesen Bereichen zu investieren. Ab 2020 sollen dazu 1,25 Milliarden Euro jährlich zur Verfügung stehen. Die Forschungszulage orientiert sich an den Bruttolöhnen der Beschäftigten, die mit Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten im Unternehmen zu tun haben. Nach Veröffentlichung des Gesetzentwurfes in diesem Sommer kritisierte der Deutsche Steuerberaterverband allerdings, dass damit kleine und mittlere Unternehmen ohne eigene Forschungsabteilung nicht gefördert werden. Hintergrund: Der Gesetzentwurf sieht vor, dass bei einer Auftragsvergabe nur der Auftragnehmer in den Genuss steuerlicher Förderung kommt. Außerdem wurde bemängelt, dass Betriebe zunächst in Vorleistung treten müssen.

Experten rechnen mit weiteren Diskussionen, raten jedoch: Unternehmen sollten bei geplanten Projekten schon jetzt mögliche Fördermöglichkeiten beachten, auch wenn in Details möglicherweise noch Änderungen vorgenommen werden.