Heimatstrategie stärkt Oberfranken

Staatsregierung verlagert weiter Behörden und schafft neue Studienplätze

Die Spitzen der oberfränkischen IHKs zusammen mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder bei der Nacht der Bayerischen Wirtschaft.

Die Bayerische Staatsregierung setzt ihre Heimatstrategie fort, verlagert weitere Behörden in den ländlichen Raum und schafft dezentral viele neue Studienangebote. Profitieren soll von dieser Ankündigung vor allem Oberfranken: von 3.000 verlagerten Stellen sollen 770 nach Oberfranken kommen, zudem sollen an den vier oberfränkischen Hochschulen rund 2.000 zusätzliche Studienplätze entstehen. „Diese Entscheidungen stärken die Strukturen im ländlichen Raum nachhaltig, weil mehr Menschen nach Oberfranken kommen werden, um hier zu leben und zu arbeiten. Das macht Oberfranken als Standort zukunftsfähig und eröffnet neue Chancen, auch für unsere Unternehmen“, so IHK-Präsidentin Sonja Weigand.

Vor der Ankündigung stand die Analyse. Die jüngste Bevölkerungsvorausberechnung des Bayerischen Landesamtes für Statistik hat ergeben, dass die Bevölkerung in Oberfranken bis 2038 weiter schrumpfen und vor allem altern wird. Zwar schwächt sich der seit Jahren negative Trend weiter deutlich ab, doch ein Gegensteuern tut not. Vor diesem Hintergrund machen die von Ministerpräsident Dr. Markus Söder angekündigten Maßnahmen Sinn, soll Oberfranken die anstehenden demografischen Herausforderungen bestehen. Zudem erfüllt die Strategie einen weiteren Zweck: der in vielen Bereichen überhitzte Großraum München soll entlastet werden.

Schon in den ersten Beschlüssen der Heimatstrategie der Staatsregierung unter Ministerpräsident Seehofer stand die Stärkung des ländlichen Raums im Mittelpunkt. Neben der Verlagerung von Behörden, dem Ausbau der digitalen Infrastruktur und der Entlastung finanzschwacher Kommunen wurden mit überregional bedeutenden Leuchtturmprojekten gezielt Wissenschaft und Wirtschaft gestärkt.

Kooperation statt Konkurrenz

So wurde nach dem Motto Kooperation statt Konkurrenz die Technologieallianz Oberfranken (TAO) ins Leben gerufen, unter deren Dach die Universitäten Bayreuth und Bamberg sowie die Hochschulen Hof und Coburg in den Bereichen Energie, Mobilität, Werkstoffe, Informationstechnologie und Sensorik eng zusammenarbeiten. „Neben den Hochschulen profitieren davon Studierende, Unternehmen und Kommunen – und dadurch die ganz Oberfranken“, so Weigand. Für 44 Millionen Euro ist am Campus der Universität Bayreuth inzwischen ein TAO-Gebäude entstanden, das auch das Zentrum für Materialwissenschaften und Werkstofftechnologie (ZMW) sowie das Zentrum für Energietechnik (ZET) beherbergt.

Die IHK für Oberfranken Bayreuth hat bei vielen dieser oberfränkischen Projektideen konzeptionelle Unterstützung geleistet, wertvollen Input aus Sicht der regionalen Wirtschaft geliefert und sich im Rahmen ihrer Interessenvertretung bei der Politik für die Umsetzung der Projekte eingesetzt. Gabriele Hohenner

Auch regionale Projekte wurden realisiert: der Aufbau einer energie- und wasserautarken Forschungspyramide für Energie- und Wassermanagement sowie der Forschungsstelle „Carinfotainment“ an der Hochschule Hof, der Aufbau des Innovationszentrums „Medical Valley Center“ in Forchheim oder des Innovationszentrums Kronach (IZK), das nach dem Studiengang „Zukunftsdesign“ und dem Campus Innovationskultur (CIK) nun in den „Lucas-Cranach-Campus“ mündet und damit Kronach zur Bildungs- und Hochschulregion macht. Universitätsstandort wird auch Kulmbach, wo nach dem Beschluss der Staatsregierung die Fakultät VII der Universität Bayreuth für „Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit“ entsteht. 150 Millionen Euro investiert der Freistaat, damit an 20 Lehrstühlen bis zu 1.000 Studierende in Kulmbach ausgebildet werden können.

Heimische Unternehmen investieren derzeit über 200 Millionen Euro in den Bereich „Additive Fertigung“, also das 3-D-Drucken von Bauteilen. In Lichtenfels entsteht in den Räumen der historischen Kirschbaummühle das „Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien“ (FADZ). Wichtige strukturelle Entwicklungsimpulse, die ohne Unterstützung aus München nicht realisierbar wären. Und in Selb hat Ministerpräsident Söder erst vor kurzem verkündet, dass die Staatsregierung den Bau eines Designstudios unterstützt und in der Porzellanstadt ein Design-Studiengang mit drei Professuren eingerichtet wird. Und auch bei der Implementierung der Digitalen Gründerzentren (DGZ) schnitt Oberfranken gut ab: neben dem DGZ „Einstein1“ in Hof und dem DGZ „Lagarde1“ in Bamberg wird ein drittes Gründerzentrum in Coburg eingerichtet. Zudem hat die Staatsregierung Fördermittel zugesagt, wenn in Bayreuth neben der Universität ein regionales Gründer- und Innovationszentrum (RIZ) entsteht, das als praxisnah ausgerichtete „Innovationswerkstatt“ an die Aktivitäten der Universität im Bereich „Entrepreneur­ship“ anschließen soll.

IHK bringt sich konzeptionell ein

Gute Ideen aus der Region werden im Rahmen der Heimatstrategie aufgegriffen und unterstützt. Die Region soll für junge Familien attraktiv sein. Dazu braucht es auch passenden Wohnraum. Um hier finanzschwachen Kommunen zu helfen, wurde die „Förderoffensive Nordostbayern“ gestartet, in deren Rahmen der Umbau alter Gebäude in neuen Wohnraum finanziell unterstützt wird. Entstanden ist diese Idee unter dem Titel „Domizil HochFranken“ aus der Region heraus. „Die IHK für Oberfranken Bayreuth hat bei vielen dieser oberfränkischen Projektideen konzeptionelle Unterstützung geleistet, wertvollen Input aus Sicht der regionalen Wirtschaft geliefert und sich im Rahmen ihrer Interessenvertretung bei der Politik für die Umsetzung der Projekte eingesetzt. Natürlich freuen wir uns sehr, dass diese Arbeit auf fruchtbaren Boden gefallen ist und die Ideen nun als Maßnahmen zur Umsetzung kommen“, betont IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner.

Welche neuen Maßnahmen sind nun geplant? In Hof soll ein neues, zentrales Polizeibeschaffungsamt mit 300 Arbeitsplätzen aufgebaut werden. Diese Landesbehörde wird die bayerische Polizei mit Kleidung und Ausrüstung versorgen. In Kronach soll die bereits im Aufbau befindliche Finanzfachhochschule für den öffentlichen Dienst erweitert werden. Rund 400 Studienplätze zusätzlich werden von Herrsching (Oberbayern) in die Cranach-Stadt verlagert. Dazu kommen rund 70 Beschäftigte als Lehr- und Unterstützungspersonal. Und auch der Wissens- und Innovationsstandort Oberfranken wird weiter gestärkt: Bis 2023 sollen fast 2.000 neue Studienplätze entstehen. An der Universität Bamberg 388, an der Universität Bayreuth 1.212 (davon 300 am Campus Kulmbach), an der Hochschule Coburg 177 (davon 123 im Bereich Autonomes Fahren am Standort Kronach) und an der Hochschule Hof 208 (54 an den Standorten Münchberg und Selb, 154 im Bereich Innovative Gesundheitswirtschaft am Standort Kronach).

„Es zeigt sich, dass Landtag und Staatsregierung bereit und in der Lage sind, erhebliche Mittel in die Strukturentwicklung Oberfrankens einzusetzen. Auch dank der erfolgreichen Arbeit unserer Unternehmen ist Bayern finanziell gut aufgestellt. Es ist nun an uns, konkrete Projektideen zu formulieren und um Unterstützung zu werben, auch um die anstehenden strukturellen Herausforderungen angehen zu können“, so Hohenner.

Ministerpräsident Markus Söder beim Besuch in Selb, wo er einen Design-Studiengang mit drei Professuren zusagte. © Bildquelle Markus Thoma