BIHK

Roadshow Familie und Beruf 2019 in Kronach im Mehrgenerationenhaus

Die BIHK-Roadshow Vereinbarkeit von Familie und Beruf brachte Experten in Kronach zusammen und zeigte erfolgreiche Ansätze zur Umsetzung auf.

Unter dem Dach des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) e. V. fand im Mehrgenerationenhaus Buchbach die BIHK-Roadshow „Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Standort- und Wettbewerbsfaktor“ der IHK für Oberfranken Bayreuth statt. Als Kooperationspartner und Veranstalter konnten der BRK-Kreisverband Kronach und das Unternehmensnetzwerk Erfolgsfaktor Familie aus Berlin gewonnen werden.

Roland Beierwaltes als Kreisgeschäftsführer des BRK Kreisverbandes Kronach stellte in seinem Einführungsvortrag die Leistungen des Kreisverbandes vor. Mit 500 Mitarbeitern und 1.200 ehrenamtlich tätigen Personen bietet der Kreisverband Kronach ein sehr umfangreiches Versorgungs- und Betreuungsmanagement an. Beratungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu unterschiedlichen Themen gehören ebenso dazu wie z.B.  Ganztagsbetreuung, Hausnotruf oder Randzeitenbetreuung von Kindern. Als Arbeitgeber im sozialen Bereich setzt Roland Beierwaltes auf eine Wertschätzungskultur zu seinen Mitarbeitern sowie auf Mitarbeiterentwicklung und Familienmanagement für seine Mitarbeiter. Konkret ging Antje Angles als Leiterin Betreuungs- und Versorgungsmanagement auf das Projekt Lebensqualität für Generationen – LQG ein. Auch im Landkreis Kronach wird die Bevölkerung immer älter. Mitarbeiter für Unternehmen zu gewinnen, gerade im Schichtbetrieb, wird immer schwieriger. Nicht nur Unternehmen, sondern auch die Kommunen suchen deshalb nach Lösungen, den Landkreis für Familien attraktiv zu machen.

2012 wurde deshalb das Projekt Lebensqualität für Generationen – LQG ins Leben gerufen. Bis heute konnten 18 Kooperationspartner gewonnen werden und über 10.000 Mitarbeiter können die Leistungen von LQG an 365 Tagen rund um die Uhr in Anspruch nehmen. Wie die Projektleiterin Antje Angles auf Anfrage erklärte, gibt es Situationen im Leben, wie Pflege von Angehörigen, Krankheit, Betreuung von Kindern, die das Familienleben plötzlich verändern. Die Mitarbeiter müssen Lösungen suchen, oftmals stehen sie allein vor rechtlichen, organisatorischen und auch finanziellen Hürden. Beispiel: Ein Arbeitnehmer bekommt einen Anruf, das Krankenhaus schickt die Mutter nach Hause, sie ist aber jetzt ein Pflegefall. Der Arbeitnehmer muss sich freinehmen, versucht telefonisch einen Platz im Seniorenheim zu bekommen oder muss die ambulante Versorgung zu Hause organisieren. Er/Sie kennt sich nicht aus mit Anträgen und eventueller finanzieller Unterstützung.

Stolz auf das Projekt und seine Mitarbeiter ist Landrat und BRK-Kreisvorsitzender Klaus Löffler. Den Demografie-Exzellenz-Award 2018 gewann das Projekt LQG in der Kategorie „organisieren & optimieren“. Bernd Hörauf, Geschäftsführer bei Gerresheimer in Tettau, betont, dass Lebensqualität für Generationen nicht 1:1 adaptierbar ist, sondern eine spezielle regionale Lösung, gerade für Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb ist. „Jede Region muss seine eigene Lösung finden“, so Hörauf. Lars Holocher, Personalleiter bei Gerres-heimer in Tettau ergänzt: „Wir sind dem Projekt LQG beigetreten, weil wir einen tatsächlichen Mehrwert haben. Ein Pflegefall kündigt sich in der Regel nicht an, dann braucht man eine Lösung oder der Mitarbeiter fällt aus. Ein sofortiger Ersatz ist oft nicht möglich.“

Wie wichtig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist, verdeutlicht Kirsten Frohnert, Projektleiterin, vom Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ aus Berlin. 81 Prozent der Beschäftigten ohne aktuelle  Familienaufgaben wünschen sich einen familienfreundlichen Arbeitgeber und 44 Prozent der Unternehmen schätzen ihre Unternehmenskultur als sehr familien freundlich ein, während 24 Prozent der Beschäftigten diese Einschätzung treffen. 75 Prozent der Arbeitnehmern zwischen 25 und 39 Jahren würden ihren jetzigen Arbeitgeber wechseln, um in einem familienfreundlichen Unternehmen zu arbeiten, und 50 Prozent der Väter wünschen sich eine Arbeitszeitreduzierung. Diese Zahlen bringen zum Ausdruck, wie wichtig Familienfreundlichkeit in Unternehmen ist. Im Vergleich verzeichnen sehr familienfreundliche Unternehmen gegenüber Unternehmen mit geringem Familienbewusstsein deutlich bessere Kennzahlen bei Fehlzeiten- und Krankheitsquoten sowie bei Motivation und Produktivität. Ebenfalls verzeichnen familienbewusste Unternehmen eine bessere Bewerberqualität.