Regionalmarketing ist Netzwerkaufgabe

Drastisch vor Augen geführt wurde die Wohnsituation in München und im „Freiraum für Macher“ in Oberfranken.

„Im verschärften Wettbewerb der Regionen Europas kommt der Vermittlung der Standortqualitäten Bayerns und seiner Teilräume nach innen und außen wachsende Bedeutung zu“. Mit diesem Satz leitet die Homepage des Bayerischen Wirtschaftsministeriums ihre Ausführungen zum Regionalmarketing in Bayern ein. Im Regionalmarketing geht es nicht um das wirtschaftliche Standortmarketing oder um den landwirtschaftlichen Ansatz der Regionalvermarktung – es geht um die Vermarktung der Region als Ganzes. Dabei kann das Themenfeld weit gesteckt sein und Aspekte wie Fachkräfte, Lebensqualität, Versorgung, aber auch Wirtschaft und Investitionen oder Tourismus, Sport, Freizeit sowie Nachhaltigkeit umfassen. Doch wer ist eigentlich in Oberfranken für das Regionalmarketing zuständig?

„Oberfranken hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem attraktiven Standort entwickelt, nicht nur für die ansässigen Unternehmen, sondern auch für die Menschen, die hier leben und arbeiten oder nur Urlaub machen wollen. Nun geht es darum, Menschen außerhalb der Region von den Vorzügen Oberfrankens zu überzeugen“, erläutert Wolfram Brehm, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK und verantwortlich für den Bereich Standortpolitik.

Erster Ansprechpartner für das Regionalmarketing in Oberfranken ist der Verein „Oberfranken Offensiv“. Unter dem Dach von Oberfranken Offensiv, einer der größten Regionalinitiativen Deutschlands, haben sich oberfränkische Kommunen, Verbände, Initiativen, Unternehmen und Privatpersonen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, das die Stärken der Region fördern will. Die Identität Oberfrankens will man schärfen und die Attraktivität der Region nach außen präsentieren. Dazu werden Projekte und Events initiiert, wie der gemeinsame Auftritt auf der Grünen Woche oder Lichtdesign-Projekte an oberfränkischen Sehenswürdigkeiten.

Oberfranken ist aber auch ein starker Teil der Europäischen Metropolregion Nürnberg. Ein Widerspruch? Nein, sagt Wolfram Brehm, der die Interessen der oberfränkischen Unternehmen im Beirat von Oberfranken Offensiv sowie im Steuerungskreis der Metropolregion Nürnberg vertritt. „Will man sich überregional Gehör verschaffen, muss man abgestimmt mit seinen Partnern auftreten. Gerade politische Forderungen bekommen mehr Gewicht, wenn sie gemeinsam vorgetragen werden“, so Brehm. Erst vor kurzem war eine 100-köpfige Delegation mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur aus der Metropolregion nach München gereist, um mit Vertretern der Staatsregierung konkrete Projekte zu besprechen, wie etwa den Beitritt ganz Oberfrankens zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg oder die Elektrifizierung der „Franken-Sachsen-Magistrale“.

Erst vor kurzem war eine 100-köpfige Delegation mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur aus der Metropolregion nach München gereist, um mit Vertretern der Staatsregierung konkrete Projekte zu besprechen.

Eine Werbung für Oberfranken kann also durchaus auch unter dem Dach der Metropolregion stattfinden. Genauso sinnvoll sind Regionalmarketing-Initiativen in einzelnen Teilregionen. „Jede Initiative, die Oberfranken voranbringt, ist zu begrüßen. Es kommt letztlich auf die Zielgruppe an und darauf, dass man das gemeinsame Ziel nicht aus dem Auge verliert“, betont Brehm.

Als positive Beispiele aus Oberfranken nennt der IHK-Vertreter die Initiative „Freiraum für Macher“, mit dem das Fichtelgebirge in Großstädten provokant mit viel Raum, Natur, Sicherheit und günstigen Mieten wirbt. Auch Kronach Creativ trage zum Image der Region bei, etwa durch den jährlichen Erfolgsevent „Kronach leuchtet“. Oder die geplanten Hängebrücken über das Höllental, die Ausstrahlung der Welterbestätten in Bamberg und Bayreuth, die kulturellen Highlights der Region oder die positiven Reaktionen auf die Initiativen der „Genussregion Oberfranken“ zahlen auf das Regionalmarketing ein.

Jede Initiative, die Oberfranken voranbringt, ist zu begrüßen. Es kommt letztlich auf die Zielgruppe an und darauf, dass man das gemeinsame Ziel nicht aus dem Auge verliert.
-Wolfram Brehm-

Für das Regionalmarketing in Oberfranken sei also nicht nur eine Organisation alleine zuständig. „Wir müssen Regionalmarketing als Netzwerkaufgabe verstehen und Hand in Hand zusammenarbeiten“, so Brehm. Gemeinsam können man mehr erreichen, wenn man sich auch gemeinsam auf ein Ziel verständige. Die IHK bringt in dieses Netzwerk aktiv ein. So wurde ein Fachausschuss Standort Oberfranken etabliert, der Plattform für den Austausch der verschiedenen Initiativen sein will, aber auch eigene Projekte initiiert.