Innovation.Unternehmensförderung

„Plagiarius“: Negativ-Preis rückt Schäden durch Plagiate und Fälschungen ins öffentliche Licht

Links Original: Genius GmbH, Limburg, Deutschland ; Rechts Fälschung: Ningbo A-Biao Plastic Industry & Trade Co., Ltd., VR China

Plagiate und Fälschungen sind weder ein Kompliment noch harmlose Kavaliersdelikte. Sie sind rücksichtslos, vernichten Arbeitsplätze und bedeuten Stillstand statt Fortschritt. Oftmals billig und unter menschenverachtenden Arbeitsbedingungen hergestellt, verursachen sie teils existenzgefährdende Schäden bei innovativen Herstellern. Begünstigt wird die explosionsartige Ausbreitung von Produkt- und Markenpiraterie durch Globalisierung, Internet, digitale Kommunikation – und durch die gezielte Nachfrage von leichtgläubigen (Online-) Schnäppchen­jägern. Dabei sind Fakes dem Original meist nur auf den ersten Blick täuschend ähnlich und bergen gerade für Verbraucher enorme Sicherheitsrisiken.

Der alarmierend große Erfolg von Plagiaten hat viele Ursachen. Zunächst den oftmals sehr niedrigen Preis. Keine Frage, jeder freut sich über ein Schnäppchen. Aber billig ist nicht gleich preiswert. Und das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Plagiaten ist oftmals katastrophal. Das Tückische: Auf den ersten Blick machen Plagiate einen guten Eindruck. Verbraucher sollten sich aber nicht blauäugig der Illusion hingeben, dass gleiches Aussehen automatisch die gleiche Qualität, Leistungsfähigkeit und vor allem Sicherheit bedeutet. Viele Plagiate und Fälschungen sind nachweislich aus billigen Materialien gefertigt, schlecht verarbeitet und haben nie eine Qualitäts- oder Sicherheitskontrolle durchlaufen. De facto zeigt sich das u.?a. in kurzer Lebensdauer, mangelhafter Elektronik und Funktionalität oder sehr hohen Schadstoffbelastungen. Kurzum: Gesundheitsrisiken. Beispielsweise, wenn das Material der vermeintlich harmlosen Rucksackfälschung mit giftigen, krebserregenden Schadstoffen belastet ist, oder die gefälschte Sonnenbrille keinen UV-Schutz vor gefährlichen Sonnenstrahlen bietet. Lebensgefährlich wird es bei gefälschten Felgen, Medikamenten, Motorsägen, Beatmungsgeräten etc.

Wertschätzung für Hersteller der Originale statt Finanzierung skrupelloser Fälscher

Des Weiteren messen Konsumenten oftmals mit zweierlei Maß: Beim Original fordern sie berechtigterweise faire Herstellungsbedingungen, eine umweltfreundliche, nachhaltige Produktion und garantierte Qualität und Sicherheit. Ein vermeintliches Schnäppchen vor Augen, lösen sich bedauerlicherweise teils schlagartig alle Skrupel in Luft auf und es wird nicht mehr nach Sozialstandards in den Fälscherwerkstätten gefragt. Die negativen Aspekte sind bekannt, werden aber verdrängt. Mit verblüffender Selbstverständlichkeit werden zudem ständig neue, vielfältige Produkte in höchster Qualität und attraktivem Design gefordert – verfügbar 24/7, geliefert in 24 Stunden und möglichst zum Fast-Umsonst-Tarif. Diese Gratis- und Schnäppchenmentalität birgt große Gefahren und spielt den Fälschern in die Karten: Wer für ein Produkt (fast) nichts bezahlt, der kennt auch nicht dessen realistischen Wert. Folglich können auch keine Wertschätzung und Respekt für die hinter dem Originalprodukt steckende Leistung entstehen. Originale sind (aber) nicht selbstverständlich.

Diebstahl geistigen Eigentums = Designplagiate, Markenfälschungen, Technologieklau

Nachahmer kopieren ungeniert erfolgreich am Markt etablierte Produkte. Die Erscheinungsformen reichen von Design­plagiaten über Technologieklau bis zu Markenfälschungen. Verkauft werden die nachgemachten Waren in allen Preis- und Qualitätsabstufungen: Von gefährlichen Billigfälschungen bis zu qualitativ hochwertigen Plagiaten, die kaum günstiger oder sogar teurer als das Originalprodukt sind. Die Schäden für die Originalhersteller sind enorm: Umsatzeinbußen, Verlust von Arbeitsplätzen, ungerechtfertigte Imageschäden, mangelnde Erträge für zukünftige Produktentwicklungen.

Ein globales Problem mit vielen Profiteuren entlang der Wertschöpfungskette

Laut EU-Kommission haben die europäischen Zollbehörden 2018 an den EU-Außengrenzen mehr als 27 Millionen rechtsverletzende Produkte mit einem Wert von über 740 Millionen Euro beschlagnahmt. China (inkl. Hong­kong ist einerseits Herkunftsland Nr. 1 für Fälschungen. Gleichzeitig entwickeln sich viele chinesische Firmen von der verlängerten Werkbank des Westens zu innovativen Mitbewerbern auf den Weltmärkten, die selbst ihre Produkte schützen. In Auftrag gegeben bzw. vertrieben werden Nachahmungen zudem häufig in Industrieländern, u.?a. von ideenarmen Mitbewerbern oder ehemaligen Produktions- bzw. Vertriebs­partnern. Gezielt prüfen gerade auch westliche Wettbewerber die Existenz von gewerblichen Schutzrechten. Sind keine eingetragen, werden Anspruchsdenken und Skrupel über Bord geworfen und fremde Design- und Techniklösungen als eigene Leistung verkauft.

Leichtes Spiel für Fälscher im WWW – Fake-Shops boomen

Auf namhaften globalen eCommerce-Plattformen werden neben Originalwaren nachweislich auch massenweise rechtswidrige Plagiate und Fälschungen angeboten. Meist von Drittanbietern, die nach Bedarf ihre (Schein-) Identitäten wechseln und sich erfolgreich in der Anonymität des Internets verstecken. Ein lukratives Geschäft ohne (Haftungs-) Risiken, bei dem nebenbei noch die Plattform-Betreiber mitverdienen. Parallel entstehen immer mehr „Fake-Shops“. Unseriöse Anbieter übernehmen entweder auslaufende Domains bekannter Marken oder registrieren Domainnamen, in denen Markennamen vorkommen. Die Fake-Shops sehen den Webseiten der Markenhersteller täuschend ähnlich. Oft verwenden sie Originalfotos, -bewertungen etc., um die Verbraucher in die Irre zu führen.

1. Negativ-Preis Küchen-Schneidgerät „Nicer Dicer Quick“

Im Bild:

Links Original: Genius GmbH, Limburg, Deutschland

Rechts Fälschung: Ningbo A-Biao Plastic Industry & Trade Co., Ltd., VR China

Der Fälscher verletzt diverse gewerbliche Schutzrechte von Genius. Er kopiert nicht nur das Produkt- und Verpackungsdesign, sondern auch den Firmennamen „Genius“, den Produktnamen „Nicer Dicer Quick“ sowie Text und Abbildungen der englischsprachigen Bedienungsanleitung – nur das Genius-Logo wurde hier wegretuschiert. Die billigen Materialien spiegeln die minderwertige Qualität wider: Die Schneidklingen sind eher stumpf und nicht so fest verankert – es besteht ein Risiko des He­rausbrechens und somit Verletzungsgefahr.

Bildrechte und Quelle: Aktion Plagiarius e. V.