IHK-Fachausschüsse für Standort, Handel und Tourismus

Oberfranken attraktiver machen: Auf die Haltung kommt es an!

Attraktive Orte schaffen – aus allen Perspektiven betrachtet (v.li): Oliver Giessübel (Vorsitzender IHK-Handelsausschuss), Jörg Lichtenegger (Vorsitzender IHK-Ausschuss Standort Oberfranken HGF Gabriele Hohenner, Kammerpräsidentin Sonja Weigand, Roland Wölfel (CIMA Beratung & Management GmbH), Dr. Sven Friedrich (Museums- und Archivdirektor Richard Wagner Museum Bayreuth), Dr. Ernst Stahl (ibi research GmbH Regensburg).

Wie kann man Oberfranken als Standort weiterentwickeln und die Städte und Gemeinden der Region noch attraktiver machen? Dieser Frage ging die IHK für Oberfranken Bayreuth bei einer Veranstaltung in Bayreuth nach, zu der Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Kommunalpolitik zusammengekommen waren.

Einfache Lösungen gibt es nicht, zumal Oberfranken in einem immer heftiger werdenden Wettbewerb der Regionen um Fachkräfte und vor großen demografischen Herausforderungen steht. „Unser Ziel muss es sein, dem Trend mit gemeinsamen Anstrengungen entgegenzuwirken. Wir wollen Anregungen geben, wie man im Kleinen zu Erfolgen kommen kann“, betont IHK-Präsidentin Sonja Weigand in ihrer Begrüßung.

Einen starken Eindruck hinterlässt der Impulsvortrag von Dr. Sven Friedrich, Museums- und Archivdirektor des Richard Wagner Museums Bayreuth, der die Herausforderungen aus der Perspektive eines Kulturschaffenden beleuchtet. Friedrich ist gebürtiger Hamburger und hat nach eigener Aussage „… selbst nach mehr als 25 Jahren in Oberfranken immer noch die Außensicht auf die Region“. Er spricht sich gegen Aktionismus und für eine kontinuierliche Marken- und Imageentwicklung der Region aus. Marketing allein erzeuge keine Attraktivität, sondern sei nur Mittel zum Zweck. „Schönheit allein macht noch nicht attraktiv. Auch bei Städten und Regionen muss die Schönheit von innen kommen. Auf die Haltung kommt es an“, so Friedrich.

Problem „Großstadtparadoxon“

Das Problem ländlicher Regionen im demografischen Wandel bezeichnet Friedrich als „Großstadtparadoxon“. Friedrich: „Alle Menschen wollen Lebensqualität, gehen dann aber in Großstädte, in denen es laut und teuer ist und in denen die Vereinsamung zunimmt“. Gegen dieses Paradoxon müsse sich der ländliche Raum mit einer langfristigen Strategie behaupten. Dabei gehe es um attraktive Arbeitsplätze, um Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und um das Image, zu dem die Kultur einen wichtigen Beitrag leisten könne. Den Oberfranken attestierte Friedrich eine „Mischung aus Minderwertigkeitskomplex und Größenwahn“. Diese steht einer strategischen Ausrichtung manchmal im Wege. „Natürlich müssen wir eine Vision von unserer Zukunft haben und Menschen zum Anpacken motivieren. Aber wichtig ist vor allem, dass Einzelne die Initiative ergreifen und vorangehen“.

Wohlfühlfaktoren ausbauen

Mit Roland Wölfel von der CIMA Beratung & Management GmbH aus Forchheim sowie Dr. Ernst Stahl von der ibi research GmbH in Regensburg kommen zwei Experten zu Wort, die anhand von Beispielen konkrete Handlungsempfehlungen für Handel, Tourismus und Kommunalpolitik aufzeigen. Um attraktiv für Gäste und Kunden zu sein, müssten Kommunen die Wohlfühlfaktoren ausbauen und Erlebnisse in den Mittelpunkt stellen, erklärt Wölfel. „Sie müssen ihre Innenstädte mit neuer Bedeutung aufladen und eine Story erzählen, die im Gedächtnis bleibt“. Dem pflichtet Stahl bei und verweist auf die sich ändernde Handelsstruktur. Sei heute noch für viele Kunden der stationäre Einzelhandel die erste Adresse, kaufe bei der jungen Generation schon die Mehrheit über das Internet ein.

Der Rahmen muss passen

Neben Handel, Gastronomie und Kultur ist die Kommunalpolitik ein wichtiger Akteur, wenn es um die Attraktivierung von Kommunen geht. Am Beispiel der Stadt Kulmbach zeigt Oberbürgermeister Henry Schramm auf, mit welchen Maßnahmen eine Kommune Unterstützung leisten kann. „Die Kommunalpolitik kann nicht dafür sorgen, dass Produkte verkauft werden. Das müssen die Unternehmen schon selbst tun. Die Politik kann aber dafür sorgen, dass Menschen in den Ort kommen und dass der Rahmen passt“, so Schramm, der seit kurzem auch oberfränkischer Bezirkstagspräsident ist. Er verweist auf eine breite Palette, die von attraktivem Wohnraum über Großveranstaltungen und Freizeiteinrichtungen reicht. Vor allem für eine gute Infrastruktur müsse die Kommunalpolitik sorgen. „Wenn bei Ihnen im Ort die Stimmung optimistisch ist und eine Aufbruchsstimmung herrscht, dann ist das schon die halbe Miete“, betonte der Kulmbacher Oberbürgermeister. In Kulmbach sorge die Entscheidung der Staatsregierung, die 7. Fakultät der Universität Bayreuth mit bis zu 1.000 Studenten in der Bierstadt anzusiedeln, derzeit für einen positiven Nährboden, auf dem viele neue Entwicklungen aufgehen könnten.

IHK für Oberfranken Bayreuth
Thomas Zapf
Handelsreferent
Tel.: 0921 886-104
E-Mail: zapf@bayreuth.ihk.de