Recht und Steuern

Oberfränkischer Vermittlertag 2018

V. li.: Anton Zitzelsberger, Dr. Michael Wurdack, Michael Höring, Gabriele Hohenner, Stefan Wölfel, Manfred Neumeier, Susanne Göller, Stefan Cordes.

Mit dem Herbstanfang verbinden die meisten buntes Laub, Kürbisse und gemütliche Abende zu Hause. Für Vermittler bedeutet die neue Jahreszeit dagegen vor allem den Beginn der aufreibenden Wechselsaison für Kfz-Versicherungen. Seit einigen Jahren zeichnet sich jedoch im Herbst ein weiterer fest eingeplanter Termin im Kalender vieler regionaler Vermittler aus der Finanz- und Versicherungswirtschaft ab: der Oberfränkische Vermittlertag. Am 19. September lud die IHK gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) und dem Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft (BWV) Nordbayern-Thüringen im Rahmen des Tags der Versicherungswirtschaft bereits zum neunten Mal zu der speziell auf die Finanz- und Versicherungsbranche ausgerichteten Veranstaltung nach Bayreuth ein. Die beiden Referenten führten dabei durch ein straffes Programm, das die neue Weiterbildungsverpflichtung der Vermittler, die Datenschutz-Grundverordnung und ein umfassendes Update im Vertriebsrecht beinhaltete.

Die Versicherungsbranche stecke derzeit im Wandel und sehe sich neuen Herausforderungen gegenüber, betonte IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner gleich zu Beginn der Veranstaltung, als sie die zahlreichen Teilnehmer begrüßte, die aus ganz Oberfranken zusammengekommen waren. Dazu zählten unter anderem erhöhter Wettbewerbsdruck, die Digitalisierung und die demografische Entwicklung. Hohenner hob zudem die bürokratischen Herausforderungen hervor, die zwar jede Branche habe, die Versicherungsbranche jedoch im Besonderen. In ihrer Rede ging Hohenner auch auf den von der Bundesregierung geplanten Provisionsdeckel bei Lebensversicherungen ein. Die IHK vertrete hierbei klar die Position, dass die Vergütung dem freien Markt überlassen bleiben sollte und ein Provisionsdeckel einen Eingriff in die grundrechtlich geschützte Gewerbefreiheit bedeute.

Ein Thema, das alle Teilnehmer beschäftigte, ist die neu eingeführte Weiterbildungspflicht für Versicherungsvermittler und deren Mitarbeiter, die selbst beratend oder vermittelnd tätig werden. Anton Zitzelsberger, Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Selbstständiger Versicherungskaufleute (ISV), erläuterte, was Vermittler in Sachen Weiterbildungspflicht erwartet, falls Bundestag und Bundesrat dem am 27. Juni 2018 von der Bundesregierung beschlossenen Entwurf für die Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) nicht widersprechen.

Zitzelsberger erklärte, dass nach dem Entwurf auch dann die vollen 15 Stunden im Kalenderjahr abzuleisten seien, wenn die Tätigkeit als Vermittler erst innerhalb des Jahres begonnen werde. Eine Übertragung von Weiterbildungsstunden in das nächste Kalenderjahr sei ebenso wenig vorgesehen wie eine Nachholung fehlender Zeiten im Folgejahr. Die Weiterbildung könne sowohl in Präsenzform als auch im Selbststudium, durch betriebsinterne Maßnahmen des Gewerbetreibenden oder in einer anderen geeigneten Form durchgeführt werden. Im Fall des Selbststudiums sei jedoch eine nachweisbare Lernerfolgskontrolle erforderlich.

Zitzelsberger empfahl den Teilnehmern, die Verpflichtung bereits für das Jahr 2018 ernst zu nehmen und die eigene Weiterbildung sowie die der Mitarbeiter konsequent zu dokumentieren. Vermittler mit eigener Erlaubnis müssten die Erfüllung der Weiterbildungspflicht gegenüber der IHK nachweisen, jedoch nur nach entsprechender Aufforderung. Gebundene Vermittler seien gegenüber dem Versicherer rechenschaftspflichtig.

Die Teilnehmer erhielten auch einen umfassenden Einblick in die Neuerungen durch die Datenschutz-Grundverordnung. Hierbei wurde unter anderem auf das Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten, die Informationspflichten und das Thema Auftragsverarbeitung eingegangen. Zitzelsberger – selbst Datenschutzbeauftragter – beschränkte sich dabei nicht auf allgemeine Hinweise, sondern gab den Teilnehmern konkrete und speziell auf die Finanz- und Versicherungsbranche zugeschnittene Hilfestellungen an die Hand. Bei all der Angst davor, Fehler bei der Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung zu machen, sei es dennoch erheblich sicherer, 80 Prozent richtig und 20 Prozent falsch zu machen, als nichts zu tun und damit alles falsch zu machen, mahnte Zitzelsberger abschließend.

Angereichert mit vielen anschaulichen Beispielen aus der Praxis und Berichten aus seiner täglichen Arbeit gab Rechtsanwalt Dr. Michael Wurdack den Teilnehmern im Anschluss einen Überblick über die neuesten gerichtlichen Entscheidungen zum Vertriebsrecht. Die Bandbreite der Themen reichte hierbei von Provisionen und Kon-
trollrechten, dem Haftungsmanagement und der Frage, wie teure Fehler bei der Vertragsbeendigung vermieden werden können, bis hin zum Ausgleichsanspruch. Im Zusammenhang mit den Dokumentationspflichten bei der Beratung empfahl er, diese nicht lediglich als lästige Bürokratie zu sehen, sondern die Dokumentation aktiv zum Enthaftungsmanagement zu nutzen. Zum einen diene sie als „Zeuge“ des Vermittlers. Zum anderen werde ein Kunde durch Transparenz und gute Dokumentation oft ohnehin von vornherein von einer Inanspruchnahme des Vermittlers wegen einer angeblich fehlerhaften Beratung absehen. Dr. Wurdack gab den Teilnehmern jedoch auch konkrete Handlungsempfehlungen für den Streitfall mit auf den Weg, sollte es im Einzelfall dennoch einmal zu einer Inanspruchnahme des Vermittlers kommen.

Anschließend zeigte er den Zuhörern die Grenzen nachvertraglicher Wettbewerbstätigkeit und in diesem Zusammenhang insbesondere die Fallstricke beim Umgang mit Bestandsdaten auf.

All dieses Wissen nützt einem Vermittler allerdings nicht viel, wenn er keine Kunden hat, auf die er es anwenden könnte. Doch wie darf man eigentlich in Zeiten der DS-GVO und unter Beachtung des Wettbewerbsrechts werben, um Kunden zu gewinnen? Eine ausführliche Antwort hierauf erteilte Dr. Wurdack zum Abschluss der Veranstaltung und gab zugleich konkrete Tipps zu einer rechtssicheren Gestaltung von Werbung.

Finanz- und Versicherungswirtschaft: Nachwuchs gesucht!

Erstmals fand ein Branchentreff zur Azubi- und Nachwuchsgewinnung in der Finanz- und Versicherungswirtschaft statt. Nach einer Begrüßung durch IHK-Vizepräsidenten Jörg Lichtenegger und Stefan Wölfel, den 1. Vorsitzenden des bvk Nordbayern, skizziert IHK-Fachkräftereferent Gerd Sandler die aktuelle Fachkräftesituation in Oberfranken.

„Azubis müssen Blut lecken“, so Andreas Seidl von der vfm-Gruppe. „Deshalb ist es wichtig, sie zu Beratungsgesprächen mitzunehmen.“ Er spricht sich für eine Verbundausbildung aus. Diese koste zwar Geld, bringe aber Azubis und Unternehmen einen Mehrwert, etwa rund 100 Tage mehr Praxiszeit.

Leider sind Frauen im Finanz- und Versicherungsgewerbe noch unterrepräsentiert. „Diese Branche ist geradezu optimal für Frauen, die nach der Elternzeit wieder in den Beruf einsteigen möchten. Vieles kann vom Home-Office erledigt werden“, bemerkte Michael Höring, Repräsentant des BWV Nordbayern-Thüringen.

In der Podiumsdiskussion mit Klaus Liebig, Geschäftsführer der vfm-Gruppe, Hermann Hübner, Vorsitzender der VEMA Versicherungs-Makler-Genossenschaft eG, und Uwe Dressel, Geschäftsführer der Uwe Dressel Versicherungsmakler GmbH & Co. KG, ging es ganz konkret um die Frage, wie die Versicherungswirtschaft Nachwuchskräfte findet. So müssen sich Branche, aber auch die einzelnen Unternehmen attraktiv und lukrativ präsentieren, aber auch mehr Präsenz zeigen. Auch am Image der Branche müsse
gearbeitet werden. Ein Weg sei sicher auch die Ansprache der Eltern. Bemängelt wurde,
dass die großen Versicherungsgesellschaften ihre eigenen, selbstständigen Agenturen zu wenig unterstützen.

Die Teilnehmer waren sich einig, die Aktivitäten in Sachen Nachwuchsgewinnung in der Region stärker bündeln zu wollen und eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. In einem Arbeitskreis „Branchentreff Versicherung und Finanzen“ sollen die entwickelten Ansätze weiterentwickelt werden.

Die Unterlagen zu den Vorträgen der beiden Referenten können wir Ihnen bei Interesse gerne per E-Mail zukommen lassen.
Bitte kontaktieren Sie hierfür Anja Zimmermann, 0921/ 886-219
a.zimmermann@bayreuth.ihk.de

IHK für Oberfranken Bayreuth
Susanne Göller
Leiterin Referat Gewerbe- und
Wirtschaftsverwaltungsrecht
Tel.: 0921 886-218
E-Mail: goeller@bayreuth.ihk.de