Recht und Steuern

Oberfränkischer Sachverständigentag 2019

Die Referenten und Organisatoren des Sachverständigentages.

Überdurchschnittliche Fachkenntnisse, praktische Erfahrung und die Fähigkeit, ihr Wissen unparteiisch und unabhängig zu vermitteln – das zeichnet öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige aus. Sie sind damit wertvolle Ratgeber für Unternehmen, Gerichte, Behörden und Privatpersonen.

Als Bestell- und Aufsichtskörperschaften ist es den oberfränkischen IHKs und der Handwerkskammer wichtig, ihren Sachverständigen eine Informations- und Austauschplattform zu bieten. Diesem Ziel dient der Oberfränkische Sachverständigentag, den die Kammern gemeinsam organisieren.

Die diesjährige Gastgeberin, Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner, konnte im Bildungszentrum Bamberg der IHK für Oberfranken Bayreuth über 90 öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige begrüßen. Auch wenn ihre Tätigkeitsgebiete vielfältig wie das Leben sind und von Schadensbegutachtungen von Gebäuden über Kunst- und Antiquitäten bis hin zu Geothermie reichen, gibt es ein Thema, das derzeit alle Sachverständigen gleichermaßen betrifft: die digitale Transformation. Gabriele Hohenner erinnerte an den disruptiven Prozess, der alle Gesellschaftsbereiche erfasst und weder vor der obligatorischen Urlaubspostkarte noch vor anderen liebgewonnen Traditionen halt macht. „Liveschaltungen“ via soziale Medien aus dem Urlaub, Hotelbuchungen über Apps, bezahlen via Smartphone – die Digitalisierung hat das private Umfeld nachhaltig verändert. Was für die Freizeit gilt, machet auch vor dem Berufsleben nicht halt: „Digitales Dokumentenmanagement, automatische Bildarchivierungsprogramme, mit denen Digitalbilder vom Ortstermin eingelesen, automatisch umbenannt und ausgedruckt werden, Diktiersysteme mit Spracherkennung oder die digitale IHK-Signaturkarte sind nur ein paar Beispiele für die mögliche Digitalisierung und Rationalisierung der Prozesse im Sachverständigenwesen“, so Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner.

Bürokratische Hürden behindern digitale Transformation

Allerdings gebe es auch bürokratische Hürden, die hinderlich für die digitale Transformation seien. Dazu gehöre das Datenschutzrecht mit seinen häufig unklaren und auslegungsbedürftigen Vorgaben. Licht in viele dieser Graubereiche brachte Klaus Schmitz, Justiziar des Zentralverbands des Deutschen Handwerks in Berlin. Er differenzierte in seinem Vortrag die beiden Haupttätigkeitsgebiete der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen: Als Privatgutachter und als gerichtlich beauftragte Sachverständige. Beides verlange den Sachverständigen zum Teil unterschiedliche Verfahren ab. Dies seien z. B. die Informationspflichten gegenüber den Betroffenen, aber auch grundsätzliche Aspekte wie das Erfordernis einer Einwilligung.

Besonders hilfreich war für die Teilnehmer, dass im Vorfeld Fragen eingereicht und somit der Inhalt des Vortrags beeinflusst werden konnte. Das Spektrum reichte hier von Überlegungen, wer bei Ortsterminen wen fotografieren oder filmen darf, bis hin zur Nutzung von Cloud-Diensten im Sachverständigenalltag.

Die bayerische Datenschutzaufsicht geht mit Augenmaß bei ihren Prüfungen vor, berichteten Susanna Beß und Daniela Dillmann, die die oberfränkischen Datenschutz-Erfa-Kreise der IHKs betreuen. Sie zeigten praxisnah anhand von Prüf- und Bußgeldfällen, wo besonderer Handlungsbedarf im Datenschutzbereich besteht. Wichtig war den Referentinnen allerdings auch, für einen unaufgeregten Umgang mit den Pflichten zu werben: Die Augen zu verschließen und tatenlos zu resignieren, sei genauso falsch wie blinder Aktionismus und sich von Panikmache anstecken zu lassen.

Digitalisierung im gerichtlichen Bereich

Dass die Digitalisierung auch im gerichtlichen Bereich zu Veränderungen und Vereinfachung von Abläufen führen kann, zeigte Daniel Kolk, Richter am Landgericht Coburg. Dort wird in Oberfranken der Einsatz der elektronischen Akte pilotiert. Die E-Akte verändert nicht nur die Fallbearbeitung sondern stellt auch ganz neue Herausforderungen an die gerichtliche Infrastruktur. Dies zeigte Daniel Kolk anschaulich mit einem virtuellen Blick auf den Büroarbeitsplatz eines Richters und in einen Sitzungssaal. Signaturgerät, Touchbildschirm, Mediensteuerung und Dokumentenkamera sind in Coburg bereits fast selbstverständliche Arbeitsmittel. In seiner Präsentation konnten die Sachverständigen dem Richter bei der E-Aktenführung und Bearbeitung über die Schulter blicken. Einfachere Aktenweiterleitung, Priorisierungen und schnellere Kommunikation seien nur einige der Vorteile, die der Pilotversuch zeige.

Sicheres digitales Verfahren mit Signaturkarte

Dank der elektronischen Signaturkarte der Kammern haben die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen die Möglichkeit, ihre Gutachten rechts- und fälschungssicher direkt ins digitale Verfahren einzubringen. Zuständig für die Beantragung der Signaturkarte in der IHK für Oberfranken Bayreuth ist das Referat Sachverständigenwesen. Abgerundet wurde der Sachverständigentag durch den kollegialen Austausch und rege Diskussionen.

Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner bei ihrer Begrüßung im Bildungszentrum Bamberg.

IHK für Oberfranken Bayreuth
Stefan Cordes
Leiter Bereich Recht und Steuern, Justiziar
Tel.: 0921 886-210
E-Mail: cordes@bayreuth.ihk.de