Mindestabstand für BACK-UP Rechenzentren drastisch erhöht

Wilhelm Seucan, Managing Director der centron GmbH in Hallstadt, erklärt, welche Folgen das für Unternehmen hat und was sie jetzt tun müssen

Die Sicherheit aller Daten ist für Unternehmen eine der größten Herausforderungen überhaupt. Gehen wichtige Informationen verloren (etwa durch Fehler in der Hardware, aber auch durch Naturkatastrophen, Brände und ähnliches), so ist der Schaden unabsehbar – die Folgen können bis zur Vernichtung der Existenz reichen. Möglichkeiten zum Schutz von Unternehmensdaten gibt es einige, wobei eine der effektivsten Maßnahmen die Einrichtung eines sogenannten georedundanten Rechenzentrums ist.

„Dabei handelt es sich um ein zweites Rechenzentrum, das quasi ein Duplikat des ersten und von diesem räumlich getrennt ist“, erklärt Wilhelm Seucan, Managing Director der centron GmbH in Hallstadt. Seit Anfang des Jahres müssen bei der Einrichtung eines solchen Back-up-Datacenters allerdings neue Kriterien des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beachtet werden. Wilhelm Seucan: „Sie sehen vor, dass der Mindestabstand zwischen den beiden Rechenzentren mindestens 200 Kilometer beträgt. Bisher waren es lediglich fünf Kilometer.“

Die Folgen für betroffene Unternehmen sind erheblich: „Für bestehende Redundanzkonzepte etwa von Banken und Versicherungen können die neuen Empfehlungen des BSI das Aus bedeuten – zumal die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht den Vorgaben des Bundesamtes in der Regel folgt und Finanzdienstleister anhält, die Vorgaben zu erfüllen“, so der Experte und centron-Chef. Zwar seien Ausnahmen möglich, aber nur, wenn ein geringerer Abstand „unabweisbar“ notwendig ist, was schriftlich und detailliert begründet werden müsse, einschließlich einer umfassenden Risikoanalyse.

„In keinem Fall sollte die Entfernung aber 100 Kilometer unterschreiten“, erläutert Wilhelm Seucan. Nach seiner Einschätzung werden Unternehmen, die ihre Rechenzentren selbst betreiben, vor den größten Herausforderungen stehen: „Als Alternative bietet sich eine Auslagerung der Rechenzentren an einen Rechenzentrumsprovider an, der wie centron über alle notwendigen Zertifizierungen verfügt und höchste Sicherheitsstandards garantieren kann.“ Das centron-Rechenzentrum in Hallstadt biete aufgrund seiner Lage für große Gebiete in Deutschland eine ausreichende Entfernung, um die BSI-Kriterien zu erfüllen.

Als Begründung für die deutliche Ausweitung des Mindestabstandes führt das BSI hauptsächlich den Schutz vor Naturgewalten an und verweist zum Beispiel auf das Jahrhunderthochwasser von 2013 an der Elbe oder auch die schon etwas länger zurückliegende Schneekatastrophe im Münsterland (2005). Solche und ähnliche Ereignisse dürften mehrere Rechenzentren auf keinen Fall gleichzeitig treffen, so das BSI. Je größer der Abstand, desto geringer das Risiko.