Recht und Steuern

Lieferketten verantwortlich und transparent gestalten

CSR ist ein wichtiger Baustein in der Unternehmensführung – davon sind überzeugt (v. re.): IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner, Ursula Krauß (IHK), Nicole Wagner (GREIFF GmbH & Co. KG), Cornelia Kern (IHK) und Dr. Henrike Purtik (BIHK).

Die Einhaltung von internationalen Standards in globalen Lieferketten ist aktueller denn je. Viele Hersteller verpflichten bereits jetzt ihre Zulieferer, diese transparent zu machen. Doch wie lassen sich Maßnahmen gegen Kinderarbeit oder für Nachhaltigkeit im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und unternehmerischer Verantwortung in den Beschaffungsprozess integrieren? Im Rahmen einer Veranstaltung des IHK-Erfa-Kreises CSR wurden praxisnah Herausforderungen an die Wertschöpfungskette aufgezeigt und Ansatzpunkte für das eigene Unternehmen identifiziert.

Die Frage, warum Lieferketten nachhaltiger werden müssen, stand im Fokus des Vortrags von Dr. Albert Hans Baur von der Sustainable AG in München. Nicht nur, dass planetare Grenzen im Hinblick auf den Klimawandel und biogeochemische Kreisläufe bereits überschritten sind, sondern auch die konkreten Risiken für Unternehmen durch solche globalen Risiken zeigt Dr. Baur auf. Somit ist Nachhaltigkeit auch ein Weg zur Risikovermeidung für die Unternehmen. Auch sind zunehmende Transparenz-Anforderungen von Seiten der Investoren und Kunden, der Politik und der Zivilgesellschaft zu beachten. Es lohnt sich also für die Unternehmen, den „größten Nachhaltigkeitshebel“ Lieferkette näher zu hinterfragen. Auch unter Profit-Gedanken, denn bessere Sozialstandards und Lebensbedingungen sowie reduzierte Umweltbelastungen erhöhen auch die Lieferzuverlässigkeit und stabilisieren die weltweite Wertschöpfung.

Beim nachhaltigen Lieferkettenmanagement geht es um einen ganzheitlichen und systemischen Blick auf alle Stufen der Lieferkette, denn Produktionsausfälle beim Lieferanten können plötzlich unmittelbar das eigene Geschäft betreffen. Dr. Albert Hans Baur

Beim nachhaltigen Lieferkettenmanagement geht es um einen ganzheitlichen und systemischen Blick auf alle Stufen der Lieferkette, denn Produktionsausfälle beim Lieferanten können plötzlich unmittelbar das eigene Geschäft betreffen. Die KMU sind hier in einer Sandwich-Position mit limitierten Ressourcen und daher besonders gefordert mit einer globalen Lieferkette, so der Referent. Er skizzierte in seinem Vortrag die einzelnen Prozessschritte eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements, gab Tipps zur Fokussierung auf spezielle Punkte und zur Strukturierung dieses notwendigen Prozesses im Unternehmen. Aus den Fragen der Teilnehmer des Erfa-Kreises CSR war ein großes Interesse am Thema spürbar.

Einen Praxisbericht aus dem Bamberger Unternehmen GREIFF GmbH & Co. KG erhielt der Erfa-Kreis CSR von Nicole Wagner, die dort für Corporate Responsibility verantwortlich zeichnet. Ihr Unternehmen stellt Berufskleidung her, und laut Umfragen ist es 53 Prozent der Endkunden sehr wichtig, dass Bekleidung fair und ökologisch hergestellt wird, und immerhin 48 Prozent würden dafür auch mehr Geld ausgeben. So beschäftigt sich das Unternehmen nicht nur aus innerer Überzeugung, sondern auch aus ökonomischen Erwägungen seit Jahren intensiv mit einer ebenso transparenten wie nachhaltigen Lieferkette. Jedes der Produkte hat einen eigenen „myGREIFF-Code“ auf dem Pflegeetikett, über den via Internet dann die Rückverfolgbarkeit des gesamten Herstellungsprozesses von der Faser bis zum Fertigteil sichtbar gemacht wird. Die Produktionspartner werden regelmäßig auditiert und müssen zertifiziert sein. Zudem arbeitet man mit verschiedenen Qualitätssiegeln. Nicole Wagner berichtet, dass der Weg bis zu einer solch transparenten Lieferkette mehrere Jahre gedauert hatte und hierfür über alle Unternehmensebenen hinweg eine große Bereitschaft der Führungsebene und der Mitarbeiter notwendig war.

Dr. Albert Hans Baur (Sustainable AG) legte den Fokus seines Vortrags auf die Sicht der mittelständischen Unternehmen.

IHK für Oberfranken Bayreuth
Ursula Krauß
Leiterin Referat Arbeits- und Wettbewerbsrecht
0921 886-212
krauss@bayreuth.ihk.de