IHK-Konjunkturbefragung

Konjunktur in Oberfranken stabilisiert sich

Nach dem deutlichen Rückgang der Konjunktureinschätzung in der Herbstumfrage 2019 stabilisiert sich die Bewertung der wirtschaftlichen Situation im IHK-Bezirk auf verhalten-positivem Niveau. Die aktuelle Geschäftslage wird von vielen der befragten Unternehmen gut oder befriedigend eingestuft und verbessert sich im Vergleich zur Herbstumfrage sogar leicht. Die Einschätzung der künftigen Entwicklung bleibt insgesamt vorsichtig, ist in den einzelnen Branchen aber unterschiedlich ausgeprägt. Der IHK-Konjunkturklimaindex klettert unter diesen Voraussetzungen um einen Zähler nach oben und liegt nun bei 114 Punkten. „Der starke Mittelstand sorgt in Oberfranken für Stabilität. Angesichts der großen Herausforderungen erwartet die Wirtschaft von der Politik aber Wachstumsimpulse und Rückenwind“, so IHK-Präsidentin Sonja Weigand.

Die oberfränkische Wirtschaft erweist sich zum Jahresbeginn erneut als äußerst robust und startet selbstbewusst in das neue Jahr. 46 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer bewerten ihre aktuelle Geschäftslage gut, weitere 42 Prozent stufen sie als befriedigend ein. Von einer aktuell schlechten Lage berichten nur zwölf Prozent der befragten Betriebe. „Die Geschäftslage unserer Unternehmen hat sich im Vergleich zur Herbstumfrage leicht verbessert und bewegt sich unverändert auf hohem Niveau“, erläutert IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner. Großen Anteil daran haben das Baugewerbe, der Dienstleistungssektor und der Tourismus, die alle überdurchschnittlich gute Werte aufweisen. Auch aus dem Einzelhandel kommen, wohl auch dank eines guten Weihnachtsgeschäfts, vor allem positive Rückmeldungen.

Zurückhaltender äußern sich das Verarbeitende Gewerbe – mit der die stark unter Druck befindliche Kfz-Zulieferindustrie – und der Großhandel zu ihrer aktuellen Geschäftslage, verzeichnen aber unter dem Strich noch einen positiven Saldo.

Weigand: „Wirtschaft braucht Planungssicherheit und Verlässlichkeit“

Die insgesamt gute Lageeinschätzung darf jedoch nicht über die Herausforderungen hinwegtäuschen, mit denen sich die oberfränkischen Unternehmen konfrontiert sehen. Rund die Hälfte der oberfränkischen Wirtschaft sieht im wirtschaftlichen Umfeld aktuell ein Risiko für den eigenen Betrieb.

„Unsere Unternehmen brauchen wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und Verlässlichkeit. Bestehende finanzielle Spielräume müssen genutzt werden, um die Wirtschaft zu unterstützen. Vor allem brauchen wir eine Steuerreform, die spürbare Entlastungen für unsere Unternehmen bringt und einen echten Abbau der Bürokratie, die gerade kleinere Unternehmen extrem belastet“, so die IHK-Präsidentin. Zudem dürfe die Politik die brennenden Fragen rund um die Leit­industrie Fahrzeugbau und die Energie­preise nicht aus den Augen verlieren. „Wirtschaft braucht von der Politik Planungssicherheit und Verlässlichkeit“, so Weigand.

Konjunktur im Jahr 2020: mehr seitwärts als vor oder zurück

Im aktuellen Umfeld einer schwachen Inlandsnachfrage, ungelöster Handelskonflikte sowie steigender Belastungen für die Unternehmen ist eine verlässliche Aussage über die künftige Entwicklung schwer zu treffen und variiert von Branche zu Branche. „Unter dem Strich erwartet die oberfränkische Wirtschaft im Jahr 2020 keinen neuen Auf- oder einen weiteren Abschwung sondern eher eine konjunkturelle Seitwärtsbewegung“, so Hohenner. Knapp jedes fünfte Unternehmen erwartet eine sich bessernde Geschäftslage, eine Verschlechterung befürchten 23 Prozent. 58 Prozent und damit der Großteil der befragten Firmen erwartet keine signifikante Veränderung der aktuellen Situation.

Angesichts der Nachrichten und Prognosen der Forschungsinstitute erweist sich die oberfränkische Wirtschaft also durchaus als robust. Besonders optimistisch blickt der Dienstleistungssektor in die Zukunft. Pessimistischer gestimmt sind, wohl vor allem auch aus saisonalen Gründen, das Baugewerbe, der Einzelhandel und der Tourismus.

Erwartungen drücken Investitions- und Beschäftigtenplanungen

Die anhaltende Verunsicherung über die Entwicklung der Auslandsmärkte und wichtiger Industriezweige, wie der Automobilwirtschaft mit ihren regionalen Zulieferbetrieben, veranlasst die oberfränkische Wirtschaft zu vorsichtigen Planungen.

So etwa die Investitionsplanungen: 20 Prozent der befragten Firmen planen mit steigenden Inlandsinvestitionen, 16 Prozent der Betriebe wollen weniger investieren. Eine im Saldo rückläufige Investitionsneigung vermelden die Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe. Überdurchschnittliche Zuwächse bei den Investitionen können hingegen vom Dienstleistungssektor und dem Tourismus erwartet werden.

Ähnlich die Erwartungen zur Beschäftigtenplanungen: 2020 wird es nach Einschätzung der befragten Unternehmen zu keinen signifikanten Veränderungen der Beschäftigtenzahl im Kammerbezirk kommen. 14 Prozent planen mit einem Beschäftigtenzuwachs, 16 Prozent hingegen mit einem Rückgang.