Die Weiterbildung

Karriere einmal anders: Vom Meisterschüler zum Meisterausbilder

Jürgen Fröhling ist Dozent bei der IHK-Weiterbildung für Betriebs-, Fertigungs- und Montagetechnik, Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz, naturwissenschaftliche und technische Grundlagen sowie Personalführung.

Rein äußerlich unterscheidet er sich nicht von seinen Schülern: Jürgen Fröhling trägt kein weißes Hemd oder gar eine Krawatte, dafür ein Tattoo an seinem Unterarm und der Ohrstecker ist nicht zu übersehen. Gerade seine Bodenständigkeit macht ihn bei seinen Meisterschülern beliebt. Der gelernte Industriemechaniker bekommt regelmäßig sehr positive Beurteilungen durch die Kursteilnehmer.

Der Weg zur freiberuflichen Dozententätigkeit war für den 37-Jährigen kein gerader. Nach der Lehre bei einem großen Automobilzulieferer arbeitete er eine Weile in der Produktion. Das wurde ihm schnell zu einseitig. „Ich wollte etwas machen, bei dem ich weiter mit der Vielfalt der Materie zu tun habe, die ich während der Ausbildung kennengelernt hatte“, erklärt Fröhling.

Da ging es ihm wie den Teilnehmern der Fortbildungen zum Industriemeister Metall oder zum Industriemeister Elektrotechnik. Die Hauptmotivation ist oft, „von der Schicht wegzukommen“. Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist den Kursteilnehmern wichtig. Die steigt nicht nur mit dem Gehalt, sondern auch mit der Sinnhaftigkeit des Tuns.

Zur Dozententätigkeit in der Weiterbildung kam Fröhling relativ spät. „Bis 2009 war ich in einer kleinen Firma für Messmittelbau angestellt, die irgendwann keine Aufträge mehr bekam. Ich wurde ausgestellt und habe dann die Möglichkeit wahrgenommen, im bfz in Kronach Grundlagenmathematik in einem Kurs für schwer vermittelbare Jugendliche zu unterrichten.“

Die Arbeit mit den Jugendlichen machte Spaß. Mit seiner schnörkellosen Art kam er gut an. Schnell war der Ausbilderschein gemacht. „Nach zwei bis drei Jahren habe ich aber gemerkt, dass ich da beruflich nicht mehr weiterkomme und dass ich auch ohne Probleme ein höheres Bildungslevel unterrichten kann“, so Fröhling.

So absolvierte er dann im Selbststudium eine Aufstiegsfortbildung zum Industriemeister Metall. Sich die Inhalte selbst zu erarbeiten, ist nicht jedermanns Sache, denn das verlangt große Selbstdisziplin. Daher werden die Kurse der Höheren Berufsbildung in Teilzeit mit zwei bis drei Kursabenden pro Woche angeboten, die über zwei bis zweieinhalb Jahre laufen. Die Vollzeitkurse dauern maximal acht Monate. Sie werden unter anderem oft gebucht, um eine Phase der Arbeitslosigkeit sinnvoll zu nutzen.

Nach dem Abschluss des Kurses mit einer bundeseinheitlichen Prüfung ist ein frisch gebackener Meister im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR), dem Referenzrahmen für das deutsche Bildungssystem, beispielsweise einem Studierenden mit Bachelor-Abschluss von einer Universität gleich gestellt.

Nach einem erfolgreichen Abschluss ändert sich die innere Haltung, weiß Fröhling aus eigener Erfahrung. „Man traut sich mehr zu. Man hat über den Tellerrand geschaut und sich unter anderem mit BWL, Recht und Personalführung beschäftigt. Das sind Inhalte, die kennt ein Facharbeiter nicht“, sagt er. „So wie man beim Sport seinen Körper aufbaut, so baut man durch Weiterbildungen seinen Horizont auf. Das gibt Selbstbewusstsein“, sagt er.

Seit Jahren beobachtet Fröhling, dass die Nachfrage nach Weiterbildungen steigt, weil viele Arbeitnehmer wissen, dass Automatisierung und Digitalisierung die Arbeitswelt verändern. „Ich begleite gerne Menschen, die für sich was bewegen und vorankommen wollen“, sagt der Dozent.

Bei der IHK für Oberfranken Bayreuth unterrichtet er im Technischen Fachwirt, im Industriemeister Elektrotechnik, im Industriemeister Metall sowie im Logistikmeister. Seine Fächer sind Betriebs-, Fertigungs- und Montagetechnik, Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz, naturwissenschaftliche und technische Grundlagen sowie Personalführung. Der Erfolg der Absolventen zeigt, dass er seine Teilnehmer gut auf die Prüfung vorbereitet. Aus diesem Grund wird Jürgen Fröhling gerne vom Team der Weiterbildung der IHK eingesetzt.

IHK für Oberfranken Bayreuth
Robert Göpel
Die Weiterbildung für Oberfranken, Leiter Weiterbildung
Tel.: 0921 886-710
E-Mail: goepel@bayreuth.ihk.de