Editorial

Infrastruktur – der Ausbau darf nie nachlassen!

Hans Rebhan IHK-Vizepräsident

2020 war vor 50 Jahren ein beliebter Zeitpunkt für Zukunftsvisionen. Unter dem Eindruck der gerade geglückten Mondlandung schien damals fast nichts unmöglich. Die Visionen waren ambitioniert: der Mensch hätte 2020 den Mars besiedelt, Krieg, Hunger und Krankheiten wären überwunden und die Menschheit in ein goldenes Zeitalter eingetreten. Die Gegenwart sieht deutlich trister aus. Gerade bei der für das Gemeinwesen so notwendigen Infrastruktur blamiert sich Deutschland derzeit vor aller Welt. Der Bahnhof Stuttgart 21, der Flughafen BER oder das Gezerre um die Stromtrassen aus dem Norden in den Süden – Großprojekte scheint Deutschland nicht mehr zu schaffen. Stillstand ist Alltag!

Die lange als Standortvorteil gehandelte Infrastruktur Deutschlands ist in die Jahre gekommen. Die Instandhaltung läuft schleppend und Neubauten haben einen Realisierungshorizont von Jahrzehnten. Man denke nur an die Elektrifizierung wichtiger Bahnverbindungen oder den Ausbau der Bundesstraße B 173 von Lichtenfels nach Kronach. Dabei war die hervorragende Erschließung durch Straßen, auf der Schiene und auf den Wasserwegen ein wichtiger Faktor für das Erstarken unserer Wirtschaft und die gute Verteilung von Bevölkerung und Wirtschaft im Land. Der starke Zuzug in die Ballungsräume in den letzten Jahren ist auch in einer Vernachlässigung der ländlichen Räume begründet – nur Bayern stemmt sich mit seiner „Heimatstrategie“ wirkungsvoll dagegen.

Globalisierung, demografische Entwicklung und Digitalisierung fordern die Regionen. Dem muss entschlossen begegnet werden. Infrastruktur besteht heute nicht mehr nur aus Verkehrswegen, sondern vor allem auch aus schnellen Mobilfunk- und IT-Verbindungen. Wichtig ist auch, die Forschungs- und Wissenschaftsinfrastruktur nahe an der Wirtschaft auszurichten.

Vor 20 Jahren noch waren Forschungsinstitute in Oberfranken Mangelware. Auch dem Einsatz der IHK ist es zu verdanken, dass Konzepte erstellt, Projekte an die Staatsregierung herangetragen und staatliche Mittel eingeworben werden konnten. Heute hat Oberfranken in allen Teilregionen eine breite Basis von außer­universitären Forschungseinrichtungen und Hochschulinstituten, die eng mit der mittelständischen Wirtschaft zusammenarbeiten. Oberfranken hat sich eben nicht nur zu einer Genussregion, sondern auch zu einer Innovations- und Bildungsregion entwickelt. Das stärkt den Wissenschaftsstandort, die beteiligten Unternehmen und letztlich die Oberfranken als Ganzes.

Die IHK für Oberfranken Bayreuth setzt sich schon immer massiv für den Ausbau der Infrastruktur ein. Diese Aufgabe endet auch nie, denn immer neue Ideen wollen mit Positionspapieren hinterlegt werden. Wir fordern, fördern und moderieren zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Ziel ist dabei eine schnelle, pragmatische und erfolgreiche Umsetzung vorhandener Konzepte. Wo einzelne Unternehmen allein wenig bewirken können, vertritt die IHK als Stimme der Wirtschaft wirksam die Gemeinschaft der Unternehmen.

Ihr Hans Rebhan
IHK-Vizepräsident