Drossenfelder Europatage

IHK-Wirtschaftstag zur Zukunft Europas

Die tschechische Generalkonsulin Kristina Larischová (sitzend) trug sich in das Goldene Buch der Gemeinde ein, ebenso (v. li.) IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner, MdL Tim Pargent, Bürgermeister Harald Hübner, Landrat Klaus Peter Söllner, MdL Rainer Ludwig, IHK-Vizepräsident Michael Möschel, Hans Peter Schmidt (Ehrenaufsichtsratsvorsitzender der Nürnberger Versicherungen) und FEK-Präsident Dr. Gerhard Krüger.

Am Donnerstag der Jazzabend im Rahmen der Drossenfelder Europatage als Auftakt, am Freitag der Wirtschaftstag der IHK Oberfranken Bayreuth als unersetzlicher Bestandteil von Beginn an vor knapp 20 Jahren. Mit einem flammenden Plädoyer warben namhafte Persönlichkeiten aus Industrie, Politik und Wissenschaft im Bräuwercksaal für ein starkes Europa. Im Blickpunkt standen die engen wirtschaftlichen Beziehungen von Oberfranken zum Nachbarland Tschechien, und da insbesonders zu den Regionen Eger und Karlsbad über die dortige Bezirkswirtschaftskammer Karlsbad.

Aus tschechischer Perspektive beleuchtete Kristina Larischová das Projekt Europa, nannte den Beitritt vor 15 Jahren eine gute Entscheidung, aus der eine Erfolgsstory geworden sei. „Mein Land ist stark exportorientiert, 80 Prozent unseres Bruttoinlandprodukts (BIP) kommen aus diesen Verbindungen, das BIP hat sich seit der Mitgliedschaft verfünffacht“, sagte die Generalkonsulin der tschechischen Republik in München. Es sei daher wichtig, den Bürgern diese positiven Eigenschaften der EU als wichtigsten Referenzrahmen für die nationale und die Außenpolitik zu vermitteln. Es gelte aber auch, den sozialen Zusammenhalt zu stärken, die Unterschiede in den einzelnen Ländern müssten gemindert werden.

Gute Kontakte zwischen Wirtschaftskammer Karlsbad und IHK für Oberfranken Bayreuth

Radek Pašava von der Wirtschaftskammer Karlsbad bewertete die Kontakte zwischen seiner Institution und der IHK Bayreuth als stets freundschaftlichen Austausch mit gemeinsamen Veranstaltungen mit Unternehmen aus beiden Ländern, die sich gegenseitig helfen bei Zollangelegenheiten und in der Ausbildung. Mit der Unterzeichnung eines Arbeitsplanes 2019 während des Wirtschaftstages wurde das noch bekräftigt. Und Sara Franke, Leiterin des Bereichs International der IHK, stellte in einer kurzen Chronik die gewachsenen Beziehungen der beiden Kammern heraus.

Spannende Momente dann in zwei Diskussionsrunden über „Die EU und Globalisierung“ und zum „EU-Binnenmarkt“. Wo unter der Moderation von Anja-Maria Meister auch kritische Töne über die Regulierungswut und die Bürokratie laut wurden, aber zum Weg eines bleibenden gemeinsamen Europas keine Zweifel aufkamen. Bernd Aßmann, Vorsitzender des IHK-Außenhandelsausschusses, forderte auf, mehr zu kommunizieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben, „die EU bietet dazu die Chancen“. Trotz mancher außenpolitischer Schwierigkeiten auf dem alten Kontinent dürften die wirtschaftlichen Kontakte zu diesen Handelspartnern nicht abreißen. Und sowohl Klaus Kühnel von der REHAU AG als auch Professor Dr. Bernhard Hertz von der Universität Bayreuth beschäftigten sich mit Zollschranken und Strafzöllen in der Überzeugung: Es gibt da nur Verlierer, einen Handelskrieg kann man letztendlich nicht gewinnen.

Deutschland und Österreich neigen zur Perfektion in Europa

Auf die Probleme und Vorteile eines gemeinsamen Europas ging ein Insider ein: Paul Joachim Kubosch, langjähriger Leiter der EU-Vertretung in München und Nürnberg. „Die Mitgliedstaaten sind keine Engel, sorgen aber für Zivilisation und Friedenssicherung. Staaten wie Deutschland und Österreich neigen zur Perfektion und Reglementierung, was dann in Kompromissen endet, die für die Bürger manchmal unverständlich sind. In der Öffentlichkeit wird nur das registriert, was nicht funktioniert“. Europa zu erklären sei auch eine nationale Aufgabe. Und IHK-Vizepräsident Michael Möschel wollte herausstellen, dass Deutschland ohne die EU nicht diesen Aufschwung genommen hätte, kritisierte jedoch die Flut an Bürokratie für den Mittelstand. Er nannte als Beispiel Kraftfahrer, die durch Europa fahren und wegen des individuell geltenden Mindestlohnes hohe bürokratische Hürden überwinden müssten.
Ein Thema war der Mangel an Fachkräften. Möschel dazu: „Das gilt auch für sonstige Arbeitnehmer. Es gibt bis heute keine Willkommenskultur für Migranten auf dem Arbeitsmarkt“. Und Dr. Thomas Zwiefelhofer, tschechischer Honorarkonsul in Liechtenstein und dort ehemals Regierungsmitglied, wies noch auf die Fluktuation im Fürstenstaat hin, „zu uns pendeln mehr Leute als Liechtenstein Einwohner hat“. Man müsse da auch in der EU flexibel sein. Auf die Frage an das Auditorium „Was bedeutet Europa für Sie?“, brachte es ein bekannter Busunternehmer auf den Punkt: Tausende Kilometer quer durch den Kontinent fahren ohne lästige Kontrollen an den Grenzen, ist das nicht wunderbar! Und fügte an, wenn am Nebentisch über Europa gelästert werde, sollte man an diese Freiheit, die es lange nicht gegeben habe, erinnern. Die Wirtschaftsjunioren aus den Kreisen Kulmbach und Bayreuth machten sich in mehreren Beiträgen für Europa stark.

Intensivierung der Beziehungen zur tschechischen Republik

Zu Beginn des Wirtschaftstages verdeutlichte Gabriele Hohenner, dass man allen Grund hätte zu feiern: 25 Jahre EU-Binnenmarkt, 15 Jahre EU-Osterweiterung, fünf Jahre Kooperationsvereinbarung mit mit der Wirtschaftskammer Karlsbad und die 10. Neudrossenfelder Europatage. „Uns liegt besonders die Intensivierung der Beziehungen zur tschechischen Republik am Herzen“, formulierte es die IHK-Hauptgeschäftsführerin. Dies sei nicht nur innerhalb unserer IHK-Strategie 2019 verankert und dokumentiert, sondern mehr als ein Lippenbekenntnis. „Das Böhmerland hat einen Sonderstatus für uns, es ist nicht Ausland, es ist der Nachbar“.

Der IHK-Wirtschaftstag sei auch eine Plattform für ein klares Bekenntnis zur Wirtschafts- und Währungsunion und für den EU-Binnenmarkt, der mit seinem Programm mittelständischen Unternehmen neue Marktchancen eröffnet habe. Die Zahlen der bayerischen Produkte sprächen Bände: Im Jahr 2017 gingen 56,2 Prozent der bayerischen Wirtschaft in andere EU-Mitgliedsländer. Es sei daher zwangsläufig, den EU-Binnenmarkt weiter zu vertiefen und gleichzeitig den Bürokratieabbau spürbar zu senken. Landrat Klaus Peter Söllner und Bürgermeister Harald Hübner bezeichneten den IHK-Wirtschaftstag als Brückenbauer in den Osten.