Integration und Ausbildung mit Hindernissen

IHK spricht sich für Bürokratieabbau aus

Viele Unternehmen in Oberfranken bilden ihren Nachwuchs selbst aus, um sich qualifizierte Fachkräfte für die Zukunft zu sichern. Doch die Zahl der Bewerbungen geht in vielen Bereichen weiter zurück. Die Betriebe suchen daher nach neuen Wegen und öffnen sich für neue Zielgruppen, wie Migranten und Geflüchtete. Allerdings sind die bürokratischen Hürden für die Ausbildung von ausländischen Personen nach wie vor zu hoch.

Die Auftragslage der Wirtschaft ist derzeit stabil und die oberfränkischen Unternehmen setzen für die Fachkräftesicherung weiterhin auf die duale Ausbildung. Laut einer Online-Umfrage blieb bei über der Hälfte der Betriebe in Oberfranken das Ausbildungsstellenangebot 2018 gleich, 23 Prozent boten sogar mehr Ausbildungsplätze als im Vorjahr an. Dennoch gelingt es immer weniger, die Ausbildungsplätze mit geeigneten Kandidaten zu besetzen. Der Anteil an unbesetzten Stellen ist, dem gesamtbayerischen Trend folgend, in den letzten Jahren gestiegen. Dieser Trend macht sich in einigen Branchen, wie etwa dem Gastgewerbe, besonders bemerkbar. Dabei wäre der Bedarf an neuen Auszubildenden durchaus hoch. Unternehmen wären bereit, auch Migranten oder Geflüchteten eine Chance zu geben – wenn die komplexen bürokratischen Hürden nicht wären.

Einstellung unter schwierigen Umständen

Dass die Vorgaben und Bestimmungen zur Einstellung von ausländischen Arbeitskräften ein großes Hindernis darstellen können, hat mancher Ausbildungsbetrieb bereits erfahren. Wie viele traditionsbewusste Häuser in der Gastronomie wünscht sich auch das Hotel Kaiseralm in Bischofsgrün genügend Neuzugänge für das kommende Ausbildungsjahr. Während noch zu früheren Zeiten zahlreiche Bewerbungen eingingen, sind es heute deutlich weniger Interessenten, die sich um eine Ausbildungsstelle im Gastgewerbe, Hotelfach oder der Küche bemühen. Der Betrieb wäre demnach erfreut, zwei jungen Leuten aus dem Iran eine Ausbildung im eigenen Haus ermöglichen zu können.

Das Paar hatte sich im Frühling 2018 vorgestellt und nach einer eintägigen Hospitation seine Fertigkeiten bewiesen. Sowohl der persönliche Eindruck als auch die sehr guten guten Deutschkenntnisse der derzeitigen Studenten konnten den Geschäftsführer des Familienbetriebs überzeugen. Gerne wollte Guido Schreiner die ausbildungswilligen Jugendlichen einstellen. Die Aufnahme einer Ausbildung aber war mit Schwierigkeiten verbunden, weil das Visum nicht ohne weiteres umgeschrieben werden konnte.

Obwohl sogar die deutsche Botschaft in Teheran Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt hatte, schien es nur schwer möglich, unbürokratisch in ein Ausbildungsverhältnis zu wechseln. „Wir können nicht nachvollziehen, weshalb oftmals genau denjenigen ein Ausbildungsvertrag verwehrt wird, die für die Wirtschaft interessant sind und sich wirklich für ihre eigene, nachhaltige Integration in der Region einsetzen“, so Schreiner. Zudem wäre es für den Hotelier sehr ärgerlich, wenn den Unternehmern die Ausbildung von ausländischen Personen seitens der Verwaltung erheblich erschwert werde. Fast ein Jahr hätten die Behördengänge angedauert, bis eine Einigung in Sicht war. Dank des Einsatzes von Betrieb und IHK könnte nun aber eine Lösung gefunden und die Einwilligung für eine Ausbildung erteilt werden.

Neues Gesetz soll Abhilfe schaffen

Eine moderne, unkomplizierte und einheitliche gesetzliche Regelung für potenzielle Arbeitskräfte aus dem Ausland fordert die Wirtschaft seit langem. Der vom Bundeskabinett verabschiedete Entwurf für ein Fachkräftezuwanderungsgesetz sieht Erleichterungen der Zuwanderung für Personen aus Staaten außerhalb der EU zum Zweck der Arbeitssuche oder -aufnahme vor. Insgesamt enthält der Gesetzesentwurf aus Sicht der Industrie- und Handelskammern viele gute Ansätze und fördert die weitere Öffnung für beruflich Qualifizierte. „Für die Kammern ist das jedoch nicht genug. Sie fordern mehr Anstrengungen zur Entbürokratisierung, um gerade für kleine und mittlere Unternehmen die Möglichkeit zu schaffen, bei der Fachkräftesicherung auch ausländische Potenziale stärker nutzen zu können“, macht IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner deutlich. Für die Wirtschaft ist die Verbesserung der Zusammenarbeit der Behörden untereinander, von den Botschaften bis hin zu den Ausländerämtern, entscheidend.

IHK für Oberfranken Bayreuth
Michael Wunder
Bereich Berufliche Bildung
Ausbildungsakquisiteur für Flüchtlinge
Tel.: 0921 886-240
E-Mail: m.wunder@bayreuth.ihk.de