Novelle Berufsbildungsgesetz

IHK sieht Ausübung des
Prüferehrenamts zukünftig gefährdet

Die ehrenamtlichen Prüfer der IHK sind ein entscheidender Qualitätsfaktor in der Beruflichen Bildung in Oberfranken. Hier ein Bild einer Prüferehrung für langjähriges Engagement.

Für die von der Bundesregierung geplante Novelle des Berufsbildungsgesetzes liegt ein Entwurf vor, in dem die Wirtschaftsverbände noch Defizite sehen. Die erhoffte Erleichterung bei der Organisation und Durchführung von Prüfungen bleibt aus. Auch die IHK für Oberfranken Bayreuth fordert eine Lösung, um die Abnahme von Prüfungen ressourcenschonend zu gestalten.

Bei den Prüfungen für die Berufsausbildung sorgen viele Mitwirkende für einen reibungslosen Ablauf. Allen voran spielen die ehrenamtlichen Prüfer eine entscheidende Rolle. Aus Sicht der bayerischen Industrie- und Handelskammern sollten diese mit Blick auf den zeitlichen Aufwand ihrer Tätigkeit noch weiter entlastet werden. Der aktuelle Referentenentwurf des Gesetzes zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung (BBiMoG), der auf Bundesebene diskutiert wird, enthält jedoch nicht die gewünschte Regelung. Auf Nachdruck der Kammer in Bayreuth setzen sich auch zahlreiche Abgeordnete parteiübergreifend dafür im bayerischen Landtag mit einem Dringlichkeitsantrag ein.

Lasten besser verteilen

Als zuständige Stelle nimmt die IHK jährlich über 10.000 Prüfungen in der Aus- und Weiterbildung nach dem Berufsbildungsgesetz ab und koordiniert hierfür den Einsatz von rund 2.700 ehrenamtlichen Prüfern, die zusammen knapp 70.000 Stunden leisten. Dabei wird es zunehmend schwerer, ausreichend Ehrenamtliche zu gewinnen, um die Vielzahl an Prüfungen abwickeln zu können. Mit dem BBiMoG wolle die Bundesregierung zu mehr Flexibilität und Effizienz beitragen. Doch der Entwurf sieht vor, dass jede Prüfungsleistung von mindestens drei Prüfenden korrigiert und bewertet werden muss. Dabei gibt es aus Sicht der IHK-Organisation keine zwingenden Gründe dafür. Auch andere Prüfungssysteme sehen schlankere Verfahren vor, um eine sinnvolle Arbeitsteilung zu ermöglichen. Aktuell benötigt die Bewertung der schriftlichen Abschlussprüfungen in der Ausbildung mehr Prüfer als die Bachelor- und Masterprüfungen an den Hochschulen. Selbst für die Bewertung der schriftlichen Prüfungen im juristischen Staatsexamen reicht die Bewertung von zwei Prüfern aus. Dies gilt, obwohl es sich hier um Prüfungen handelt, bei denen ohne bestandene Prüfung der Beruf nicht ausgeübt werden darf, also das Grundrecht der freien Berufsausübung wesentlich stärker berührt ist.

Kapazitätsengpässe werden zum Problem

IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner plädiert daher für eine Nachbesserung, bevor es zu einer finalen Abstimmung auf Bundesebene kommt: „Mit der derzeitigen Fassung können wir nicht zufrieden sein. Es muss eine spürbare Entlastung für die Beteiligten geschaffen werden, andererseits könnte in ein paar Jahren das ehrenamtliche Prüfungssystem der beruflichen Bildung sogar in Frage stehen“, gibt Hohenner zu bedenken. Konkret wäre jetzt die gesetzliche Festlegung erforderlich, dass Prüfungsleistungen durch zwei Prüfende unter Einhaltung der Paritätsgrundsätze beurteilt werden können. Für die Kammer hat diese Thematik im laufenden Gesetzgebungsverfahren höchste Priorität.