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IHK-Präsidentin Sonja Weigand: Rück- und Ausblick

Für Präsidentin Sonja Weigand neigt sich ein ereignisreiches Jahr dem Ende zu. Hier ihr ganz persönlicher Rück- und Ausblick.

Die IHK betreibt aktiv das Zusammenkommen und die Pflege von Netzwerken. Der Neujahrsempfang gilt als größtes Treffen von Wirtschaft, Politik und Verwaltungen. Die Präsidentin spricht dabei aktuelle Themen an.

Das Ehrenamt der IHK ist viel für die Wirtschaft und den Standort Oberfranken unterwegs. Wir führen Gespräche mit der Politik und mit unseren Netzwerkpartnern. Wir führen gemeinsam mit der HWK, dem VBW und anderen Veranstaltungen durch. Treffen mit politischen Vertretern gehören ebenfalls dazu, um unsere oberfränkischen Themen zu platzieren.

Wie steht es um die oberfränkische Wirtschaft und droht eine Rezession?

„Licht und Schatten“ ist da ein gutes Stichwort für Rück- und Ausblick. Vielen Unternehmen geht es sehr gut. So wurden über 60.000 neue Arbeitsplätze von oberfränkischen Unternehmen in den vergangen zehn Jahren geschaffen. Aktuell hat Oberfranken einen historischen Höchststand bei den Beschäftigtenzahlen. Die Vielschichtigkeit an Branchen bringt aber auch sehr unterschiedliche Entwicklungen. Nach zehn Jahren Hochkonjunktur hat sich die Stimmung in der Wirtschaft zuletzt eingetrübt. Das betrifft zwar noch nicht alle Wirtschaftszweige, aber gerade etliche Industriebetriebe blicken inzwischen sorgenvoll in die Zukunft. Die Beschäftigtenzahl ist in der Industrie noch gestiegen, der Umsatz ist aber bereits leicht rückläufig. Gerade Kfz-Zulieferer, aber auch die Textil-, Polstermöbel- und Keramikindustrie verzeichnen aktuell Umsatzrückgänge.

Viele Unternehmen in Oberfranken wachsen weiter. Hier IHK-Präsidentin Sonja Weigand und Unternehmer Dr. Alexander Zimmermann bei einem Richtfest der Bamberger Firma RZB.

Eine allgemeine Krise sehe ich noch nicht. Es gibt ganz unterschiedliche Erkenntnisse aus den Konjunkturumfragen. Die Automobilzulieferer sind leicht unter Druck. Auch viele exportabhängige Unternehmen sehen in eine ungewisse Zukunft, Grund ist der Handelsstreit zwischen USA und China, aber auch die Unsicherheit beim Brexit. Manche reden deshalb schon eine Rezession herbei. Soweit würde ich nicht gehen, denn vielen Branchen, etwa dem Dienstleistungssektor, dem Tourismus und dem Baugewerbe, geht es gut, und auch in der Industrie sind die Perspektiven nicht durchwegs schlecht.

Ich bin Unternehmerin. Zukunftsängste kann ich mir nicht leisten. Unternehmertum heißt, Chancen zu ergreifen und schwierige Situationen in Erfolge zu wandeln. Die Digitalisierung zum Beispiel bietet hierbei viele neue Chancen. Dazu sind die Unternehmer und ihre Mitarbeiter gefordert. Sonja Weigand

Was kann die Politik tun?

Die Politik ist gefordert, besonders die Kfz-Zulieferindustrie zu unterstützen. Die überregionalen Organisationseinrichtungen Bayerischer Industrie- und Handelskammertag sowie Deutscher Industrie- und Handelskammertag sind dazu mit Berlin und Brüssel im Gespräch. Eine Wirtschaft kann nur florieren, wenn sie Planungssicherheit und gute Rahmenbedingungen hat. Arbeitsplätze und Umsatzsteigerungen sind nur unter positiven Vorzeichen zu schaffen. Innovationen und Zukunftsinvestitionen brauchen Signale und Handlungsspielräume für die Firmen, aber keine Hindernisse.

Was sehen Sie für die nähere Zukunft, Krise oder Chance?

Ich bin Unternehmerin. Zukunftsängste kann ich mir nicht leisten. Unternehmertum heißt, Chancen zu ergreifen und schwierige Situationen in Erfolge zu wandeln. Die Digitalisierung zum Beispiel bietet hierbei viele neue Chancen. Dazu sind die Unternehmer und ihre Mitarbeiter gefordert. Hier ist das Zusammenspiel von Universitäten und Hochschulen mit der heimischen Wirtschaft sehr wichtig. Dieses Netzwerk bietet eine gute Grundlage, um die Herausforderungen zu meistern. Außerdem glaube ich an die Problemlösungskompetenz unserer Unternehmerinnen und Unternehmer. Wir haben in Oberfranken schon größere Probleme und Krisen gemeistert.

Weil die IHKs die Gesamtinteressen ihrer Mitgliedsunternehmen unabhängig vertreten, sind sie gefragte Gesprächspartner der Politik, wie hier bei Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder.

Klimaschutz und Wirtschaft – geht das auch gemeinsam?

Radikaler Klimaschutz, wie er aktuell oft gefordert wird, ist nicht möglich. Ein Unternehmer und damit ein ehrbarer Kaufmann geht mit den Ressourcen schonend um. Das betrifft neben Wasser und Energie vieles andere. Ein gesunder Mix hilft den Menschen und der Umwelt. Klimaschutz und Wirtschaft können nur zusammen funktionieren, denn wir brauchen beide. Wenn man Klimaprobleme gemeinsam angeht, gehört uns die Zukunft. Die Oberfränkische Wirtschaft investiert viel für klimaschützende Maßnahmen. Dazu haben wir uns auch gegenüber der Staatsregierung verpflichtet. Klima und Umweltschutz sind eine gesamtwirtschaftliche und weltwirtschaftliche Aufgabe, alle müssen mitwirken. Alleingänge in Oberfranken oder in Deutschland bringen uns nicht voran.

Wird der Fachkräftemangel durch eine Rezession behoben?

Der Fachkräftemangel war, ist und bleibt der entscheidende Faktor der Wirtschaft in Oberfranken. In den nächsten Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge der 60er-Jahre aus dem Berufsleben ausscheiden und eine große Lücke hinterlassen. Und es gibt immer noch viel zu wenig Nachwuchs. Vielen unserer Unternehmen fehlen Fachkräfte, aktuell rund 25.000 allein in Oberfranken. Betroffen sind die Bereiche IT, Pflege, medizinische Versorgung und die Logistikbranche. Das hat wirtschaftliche Folgen. Die Bruttowertschöpfungsverluste wegen unbesetzter Stellen wurden allein für 2018 auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt. Und der Fachkräftemangel wird sich nach vielen Prognosen weiter verschärfen.

Durch Aus- und Weiterbildung versuchen Unternehmen Personal aufzubauen. Hier holen sich die Unternehmen Unterstützung durch die IHK, die ihren gesetzlichen Auftrag und damit ihre Kernaufgabe wahrnimmt. Die IHK berät und organisiert die Berufs- und Weiterbildung.

Eine Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte wäre wünschenswert. Die Unternehmer hoffen dazu auf gute Entscheidungen der Politik. Auch durch das Fachkräftezuwanderungsgesetz, das am 1.3.2020 in Kraft tritt, sind positive Entwicklungen in diesem Bereich möglich. Das Nebeneinander von dualer und akademischer Ausbildung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich entspannt. Man spürt, dass ein Umdenken stattfindet. Das am 1.1.2020 in Kraft tretende Berufsbildungsmodernisierungsgesetz zeigt, dass berufliche Bildung, die der akademischen Bildung gleichgestellt wird, neue Chancen eröffnet.

Das Nebeneinander von dualer und akademischer Ausbildung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich entspannt. Man spürt, dass ein Umdenken stattfindet. Sonja Weigand

Aus- und Weiterbildung sind Kernaufgaben der Arbeit der IHK. Festliche Abschlussfeiern zeigen die Wertschätzung für die Leistungen der Absolventen. Hier gratuliert Sonja Weigand einer Absolventin der Weiterbildungsprüfungen.

Ist die IHK immer noch stark im ganzen weitläufigen Oberfranken?

Durch die Regionalisierung ist unsere IHK in der gesamten Fläche ihres Kammerbezirks in allen Landkreisen stark vertreten und aktiv. Die einzelnen IHK-Gremien treiben ihre Themen und Projekte engagiert voran. So werden beispielsweise die Arbeitskreise Schule-Wirtschaft in allen Gremien von der IHK mitgestaltet. Die gute Vernetzung von Wirtschaft und Schulen wird so gelebt. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Kommunen und regionalen Gebietskörperschaften findet flächendeckend statt. Mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen gibt es in allen Regionen eine gute Zusammenarbeit.

Mit den digitalen Gründerzentren Lagarde1 in Bamberg und Einstein1 in Hof oder dem Regionalen Innovations- und Gründerzentrum (RIZ) in Bayreuth werden die Weichen gestellt für eine neue Generation von Unternehmern. Denken Sie an die TAO, die Technologieallianz Oberfranken, wo die Hochschulen und Universitäten Oberfrankens eng zusammenarbeiten, gerade mit unseren mittelständischen Unternehmen. Oder an den Lebensmittelcampus in Kulmbach, wo 2025 bereits 1.000 junge Menschen studieren sollen, den Medizincampus in Bayreuth, wo Ärztenachwuchs auch für die Region heranwächst, oder an den Studiengang Zukunftsdesign in Kronach, wo vor wenigen Monaten die ersten Absolventen gefeiert wurden. Hinzu kommen neue Forschungszentren wie BayBatt in Bayreuth, wo Energiespeicher für morgen entwickelt werden sollen, oder das Forschungs- und Anwendungszentrum in Lichtenfels, das sich mit den Möglichkeiten der additiven Fertigung für Kunststoff und Metall auseinandersetzen wird. Die Liste der Ideen und Initiativen ließe sich lange fortsetzen. Ich denke da etwa an das Innovationszentrum in Kronach, an den Medizintechnik-Campus in Forchheim, die Medical Valley Center in Forchheim und Bamberg, das BayernLab in Wunsiedel oder das Zentrum für Energie- und Wassermanagement in Hof, um einige wichtige zu nennen. Überall entstanden unterschiedliche Einrichtungen unter Mitwirkung der IHK und ihrer regionalen Vertretungen. Aber auch die großenThemen wie Umweltschutz, Ressourcenschonung und Digitalisierung werden dabei gemeinsam bearbeitet. Hier bedanke ich mich bei meinem Präsidium, Frau Dr. Laura Krainz-Leupoldt, Herrn Jörg Lichtenegger, Herrn Michael Möschel, Herrn Hans Rebhan, Herrn Dr. Heinrich Strunz, Herrn Dr. Michael Waasner und Herrn Wilhelm Wasikowski, die das Gesicht vor Ort sind und die IHK in der Fläche präsent machen.

Ein Unternehmer und damit ein ehrbarer Kaufmann geht mit den Ressourcen schonend um. Das betrifft neben Wasser und Energie vieles andere. Sonja Weigand

Unternehmerin und IHK-Präsidentin Sonja Weigand: Ich bin Optimistin und glaube daran, dass wir unsere Herausforderungen bewältigen werden.

Was beschäftigt die IHK intern?

Auch die IHK beschäftigt sich mit der Digitalisierung. Viele interne Prozesse in der IHK sind bereits digitalisiert. So gibt es ein Prüferportal, über das wir alle Kontakte mit unseren ehrenamtlichen Prüfern abwickeln. Im kommenden Jahr wird ein Bildungsportal starten, in das ein digitales Berichtsheft integriert ist. Ganz aktuell haben wir unsere IHK-Homepage neu veröffentlicht – und kundenorientiert aufgebaut. Und auch unsere IHK-Zeitung „Oberfränkische Wirtschaft“ gibt es als digitale Version. Generell ist es unser Ziel, die IHK effizient aufzustellen und noch stärker an den Erfordernissen der Kunden auszurichten. Im nächsten Jahr werden wir dazu erneut eine Mitgliederbefragung durchführen, um festzustellen, welche unserer Angebote besonders gut ankommen – und um zu sehen, wo Handlungsbedarf besteht.

Ist der Wirtschaftsraum Oberfranken für die Zukunft gut aufgestellt?

Ja, die Wirtschaft in Oberfranken ist gut aufgestellt. Vor zehn Jahren waren für Oberfranken Strukturwandel und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten zentrale Themen. Das Bild hat sich jetzt gewandelt. Den oberfränkischen Unternehmen wird es sicher nicht so schwer fallen, eine sich abflachende Konjunktur zu meistern. Es gilt, Hausaufgaben zu machen und sich den Heraufforderungen mit Mut und Zukunftsvisionen zu stellen. Oberfranken gilt heute als Genuss-, aber auch als Innovations- und Technologieregion. Man kann bei uns gut leben, wohnen und arbeiten, ohne die Einschränkungen der Ballungsräume. Das gilt es jetzt nach außen zu tragen. Für die nächsten zwölf Monate hoffe ich, dass es positiver kommt, als manche es prognostizieren.

Die IHK bringt Projekte auch dadurch voran, dass sie permanent Medienarbeit leistet. IHK-Präsidentin gibt dazu Statements für Printmedien, Rundfunk und Fernsehen ab.