IHK Foreign Skills Approval (FOSA)

Gleich(e)wertigkeit für
ausländische Abschlüsse

Nach ihrer Anerkennungsberatung bei Ingrid Krauß (li.) und dem Antragsverfahren bei der IHK FOSA konnte sich Victoria de Lourdes de la Guarda über eine teilweise Anerkennung ihres Berufs als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit freuen.

Arbeitgeber suchen verstärkt nach gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeitern. Die Besetzung von Stellen erweist sich jedoch aufgrund verschiedener Faktoren als zunehmend schwieriger. Umso mehr gilt es daher in Zukunft zusätzlich zu den vorhandenen Ressourcen die Potenziale ausländischer Fachkräfte in den Blick zu nehmen. Oftmals ist es für Unternehmen aber nicht ersichtlich, welche Qualifikationen Personen aus dem Ausland mitbringen und wie deckungsgleich diese mit dem deutschen Arbeitsmarktsystem sind. Mit dem Anerkennungsverfahren des Kompetenzzentrums deutscher Industrie- und Handelskammern zur Feststellung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsabschlüsse ist es möglich. Bei der IHK Foreign Skills Approval (FOSA) gingen seit ihrer Gründung im Jahr 2012 über 25.000 Anträge ein. Ansprechpartnerin für die Anerkennungsberatung bei der IHK für Oberfranken Bayreuth ist Ingrid Krauß. Sie hat bereits einige Interessierte auf ihrem Weg begleitet und weiß, welchen Mehrwert eine Anerkennungsurkunde für einzelne Personen, aber auch die Unternehmen hat.

Wie wird die Beratung im Haus angenommen?

Krauß: Seitdem ich im Jahr 2016 mit der Aufgabe der Anerkennungsberatung betraut worden bin, hat sich die Zahl der Interessenten kontinuierlich gesteigert. Unternehmen und Privatpersonen sind mehr und mehr auf unseren Service aufmerksam geworden. Mittlerweile haben wir in der IHK deutlich über 130 Beratungen durchgeführt und es werden hoffentlich noch viele folgen.

Welche Personen kommen zu Ihnen und wie funktioniert das Verfahren?

Krauß: Es sind Menschen aus aller Welt mit den unterschiedlichsten Nationalitäten und Berufen, die sich bei mir zum Anerkennungsverfahren erkundigen. Manche werden von dem Unternehmen, in dem sie zu der Zeit als Aushilfe beschäftigt sind, darin unterstützt, eine Anerkennung zu beantragen. Andere werden von der Arbeitsagentur an uns empfohlen oder haben über eigene Recherchen nach ihrer Ankunft in Deutschland von der Möglichkeit zur Überprüfung der Gleichwertigkeit ihres Berufs erfahren. Von Kaufleuten im Büromanagement bis hin zu Maschinen- und Anlagenführern ist alles dabei. In der Beratung erhalten sie dann die notwendigen Informationen aus erster Hand: ich kläre mit den potenziellen Fachkräften ab, welcher deutsche Beruf ihren Qualifikationen entsprechen kann, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wie man den Antrag korrekt ausfüllt, und beantworte alle Fragen rund um das Verfahren. Im Anschluss daran senden sie ihre vollständigen Unterlagen an die IHK FOSA, die genau überprüft, inwieweit die Tätigkeiten und Inhalte der Ausbildung oder des Studiums im Ausland mit dem deutschen Referenzberuf übereinstimmen. Innerhalb weniger Monate erhalten die Antragsteller ihren Bescheid, ob der Beruf als vollständig oder teilweise gleichwertig angesehen werden kann. Sollten wie bei einer Teilanerkennung noch Qualifikationen für eine volle Gleichwertigkeit fehlen, können diese gegebenenfalls über verschiedene Bildungswege oder Praxisphasen nachgeholt werden. Auch hier stehe ich den Interessenten als Ansprechpartnerin weiterhin zur Seite.

Wie kann das Anerkennungsverfahren Unternehmen helfen, geeignete Mitarbeiter/innen zu finden?

Krauß: Mit dem Bescheid über das Ergebnis des Anerkennungsverfahrens gibt die IHK FOSA beiden Seiten, also Unternehmern und Privatpersonen, ein Dokument in die Hand, das die qualitative Überprüfung vorhandener Berufsqualifikationen im Vergleich zum deutschen Ausbildungsstandard bescheinigt und so Sicherheit bei der Einschätzung ausländischer Abschlüsse bietet. Durch die Angabe der tatsächlich vorhandenen Fertigkeiten und Kenntnisse lässt sich genau bestimmen, wie die  Abschlüsse in unser deutsches System passen und ausländische Mitarbeiter/innen am besten im Betrieb eingesetzt werden können. Zudem sind sie in der Lage, gezielt nach Fachpersonal im internationalen Umfeld zu suchen.

Wie wichtig schätzen Sie das Thema der Anerkennung für die Zukunft ein?

Krauß: Mittlerweile hat die Wertschätzung eines Anerkennungsverfahrens sowohl bei ausländischen Fachkräften als auch Unternehmen stark zugenommen. Wir leben in einer vernetzten, internationalen Arbeitswelt und sind in Deutschland auf motivierte Leute aus dem Ausland angewiesen. Das wissen auch die Unternehmen, insofern ist die Arbeit der IHK FOSA ein wichtiges Instrument der Fachkräftesicherung und wird uns sicherlich in den kommenden Jahren bei den Fragen nach der Arbeitsmarktsituation und der Migration weiterhin eine große Hilfe sein. Es ist aus meiner Sicht wirklich wert, oftmals genauer hinzusehen oder nachzuforschen und versteckte Kompetenzen, ja sogar Talente bei Mitarbeitern anderer Nationalitäten zu erkennen.

Die Beratung der IHK hat auch Victoria de Lourdes Bravo de la Guarda die Anerkennung ihres gelernten Berufs ermöglicht. Die gebürtige Chilenin, war 2016 nach Deutschland gekommen und nutzte die Chance ein Stück Gleichwertigkeit zu erhalten:

Welchen Beruf haben Sie ursprünglich erlernt?

Bravo: In Chile wurde ich als „Relacionador Público“ an einer Hochschule ausgebildet. Der Titel lässt sich am besten mit „Referentin für Öffentlichkeitsarbeit“ übersetzen, und der 4-jährige Studiengang beinhaltete die wesentlichen Komponenten des Bereichs PR und Marketing. Ein dreimonatiges Praktikum in einem Unternehmen war ebenfalls Teil des Studiums an diesem Institut und bot mir zusätzlich dazu die Möglichkeit, Praxiserfahrung in den Bereichen Administration und Organisation zu sammeln. Nach meinem Abschluss habe ich allerdings nicht direkt in diesem Beruf, sondern einige Zeit in einer Bank als Kundenberaterin gearbeitet und war später an der ehemaligen Hochschule mit ganz verschiedenen Aufgaben, unter anderem der Öffentlichkeitsarbeit betraut.

Wie sind Sie auf die Anerkennungsberatung der IHK aufmerksam geworden?

Bravo: Ich liebe es zu arbeiten und unabhängig zu sein, das war mir immer wichtig! Da ich hier unbedingt entsprechend meiner Qualifikation und Interessen auch wieder im Bereich Kommunikation arbeiten wollte, habe ich mich zusammen mit meinem Mann im Internet informiert, was mir dabei helfen könnte, eine geeignete Stelle zu finden. Dabei sind wir auf das Angebot der IHK gestoßen und haben gleich einen Termin vereinbart, um herauszufinden, ob für mich die Chance besteht, die Feststellung einer Gleichwertigkeit zu erreichen.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, eine Anerkennung zu beantragen?

Bravo: Als ich nach Deutschland gekommen bin, wusste ich schon ganz genau, wie wichtig es ist, entsprechende Nachweise über meine Sprachkenntnisse oder Ausbildung vorzulegen, um beruflich Fuß fassen zu können. Mir ist bewusst, dass sich deutsche Unternehmen schwer tun, internationale Abschlüsse richtig einzuordnen, und ich bin sehr dankbar dafür, dass man mit der Bescheinigung zeigen kann, welche Kompetenzen man sich angeeignet hat.

Hatten Sie mit Ihrem Antrag Erfolg bei der IHK FOSA?

Bravo: Mit dem Bescheid wurde mir bestätigt, dass die Qualifikationen mit dem deutschen Referenzberuf der „Kauffrau für Marketingkommunikation“ teilweise gleichwertig sind. Es war zwar nicht ganz einfach, alle Dokumente, die für die Prüfung notwendig waren, aus Chile zu beschaffen und hat einige Monate Zeit in Anspruch genommen, aber es hat zum Erfolg geführt. Weil die Ausbildung an der Hochschule in meinem Heimatland nicht so viele Praxisanteile enthält und auch die Lehrinhalte sich in gewissen Themenfeldern zu denen des dualen Systems unterscheiden, konnte ich nicht mit einer vollständigen Anerkennung rechnen. Dennoch freue ich mich über das Ergebnis, das deutlich zeigt, in welchen Arbeitsbereichen ich mich einbringen kann. Diese Bescheinigung kann für mich unter anderem der Schlüssel zu einem interessanten Job in Deutschland sein.

Würden Sie die Beratung weiterempfehlen? Wie hat Ihnen die Beratung weitergeholfen?

Bravo: Das Gespräch war individuell, sehr aufschlussreich und eine große Hilfe! Danach weiß man, worauf es beim Anerkennungsverfahren ankommt und wird auch darüber hinaus während des Prozesses gut begleitet. Wann immer ich eine Frage hatte, konnte ich mich an die IHK wenden und bekam schnell eine Antwort. Ich würde es wirklich jederzeit wieder genauso machen und denke, dass es auch für die Unternehmen ein Vorteil ist zu wissen, dass bestimmte Qualifikationen ausländischer Personen mit den deutschen Standards vergleichbar sind. Man muss nur etwas Geduld mitbringen.

Die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) ist das bundesweite Kompetenzzentrum deutscher Industrie- und Handelskammern zur Feststellung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsabschlüsse, die mit einem IHK-Beruf verglichen werden. Seit 2012 führt die Körperschaft des öffentlichen Rechts Anerkennungsverfahren nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG) zentral für 76 Mitglieds-IHKs durch und gewährleistet so eine einheitliche Entscheidungspraxis.

Bisher erteilte die IHK FOSA fast 18.000 Anerkennungsbescheide, dabei endeten die Verfahren zu 62 Prozent mit einer vollen Gleichwertigkeit.

IHK für Oberfranken Bayreuth
Ingrid Krauß
Bereich Berufliche Bildung Qualifizierungsberaterin
Tel.: 0921 886-241
E-Mail: i.krauss@bayreuth.ihk.de