IHK für Oberfranken Bayreuth und IHK Nürnberg für Mittelfranken

Erste gemeinsame Sitzung der Innovationsausschüsse: Thema Elektromobilitätt

Bei der ersten gemeinsamen Sitzung der IHK-Innovationsausschüsse (v. re.): Dr. Michael Waasner (IHK-Vizepräsident und Geschäftsführer der Fa. Gebr. Waasner Elektrotechnische Fabrik GmbH), IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner, Peter Kurz (stellvertretender Vorsitzender des IHK-Fachausschusses Innovation I Forschung I Technologie der IHK Nürnberg für Mittelfranken),  Dr. Heinrich Strunz (IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Fachausschusses Innovation der IHK für Oberfranken Bayreuth), Hans Rebhan (IHK-Vizepräsident und stellvertretender Vorsitzender des IHK-Fachausschusses Innovation der IHK für Oberfranken Bayreuth) sowie Jürgen Schulte (Geschäftsführer der Fa. Gebr. Waasner Elektrotechnische Fabrik GmbH in Forchheim).

Ein weiterer Baustein in der guten Zusammenarbeit der beiden benachbarten IHKs aus Mittel- und Oberfranken war die erste gemeinsame Sitzung der Innovationsausschüsse in Forchheim. Der dortige IHK-Vizepräsident Dr. Michael Waasner war Gastgeber in den Räumlichkeiten der Firma Gebr. WAASNER. IHK-Vizepräsident Dr. Heinrich Strunz als Vorsitzender des oberfränkischen Innovationsauschusses und IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner begrüßten die Gäste unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden Peter Kurz. Das Leitthema des Treffens war die Elektromobilität, in der die Firma Waasner ein wichtiger Zulieferer ist.

Dr. Michael Waasner, Geschäftsführer der Gebr. WAASNER Elektrotechnische Fabrik GmbH, stellte zunächst die Historie der Firma WAASNER vor. Das Unternehmen wurde 1946 gegründet, beschäftigt aktuell 400 Mitarbeiter, erzielte 2018 einen Umsatz von knapp 80 Mio. Euro und verbraucht jährlich etwa 40.000 Tonnen Elektroband. Die Kernkompetenz des Unternehmens liegt in der hochpräzisen Fertigung von Trafo- und Motorenbauteilen. Kunden von WAASNER sind vor allem Premiumhersteller in der Automobilindustrie und Industriekonzerne wie Siemens und Enercon.

Der Unternehmer betonte, dass sich die Automobilindustrie in einem Umbruch befinde, und zitierte Dr. Zetsche, den Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG, wonach jedes der Themen Connected (Schnittstellen), Autonomous (Autonomes Fahren), Shared (Mobilität der Zukunft ist flexibel) und Electric (die Zukunft ist elektrisch) das Potenzial hätte, die Industrie auf den Kopf zu stellen. Die Revolution würde allerdings in der Verknüpfung all dieser Punkte stecken. Nach einer Studie „Veränderungen der Automobilindustrie durch automobile Megatrends“ durch vbw/bayme ist davon auszugehen, dass die Antriebskonzepte Mild Hybrid, Full und Plug-in Hybrid sowie batterieelektrische Fahrzeuge bis 2030 bereits 50 Prozent ausmachen werden. Die Studie geht davon aus, dass die automobilen Megatrends Fahrzeugelektrifizierung, Fahrzeugautomatisierung und Fahrzeugvernetzung sein werden. Im Fall der Fahrzeugelektrifizierung zeigen sich negative Umsatzentwicklungen bei Komponenten, die vom Verbrennungsmotor abhängig sind und daher mit zunehmendem Elektrifizierungsgrad an Wertschöpfung verlieren. Am deutlichsten ist dieser Effekt beim Verbrennungsmotor selbst zu beobachten, der bis 2030 einen Rückgang von circa 4,4 Milliarden Euro aufweisen wird. Alle anderen Bereiche werden wachsen, insbesondere die Traktionsbatterie und natürlich auch die elektrische Maschine.

Für WAASNER ist auch der Bereich Ladetechnik interessant, bei dem für Schnellladevorgänge Transformatoren benötigt werden. Das Wachstum von WAASNER kam in den letzten Jahren aber vor allem aus dem Bereich der Nebenaggregate, die elektrifiziert wurden wie elektrische Lenkung, Thermomanagement, vollelektrische Motorkühlung oder Verstellmotoren. Die Markttreiber für die weitere Entwicklung sind insbesondere die CO?-Problematik, die weitere Reduzierung von Hydrauliksystemen, das autonome Fahren, aber auch die Steigerung des Komforts für die Endkunden. Die Anteile an Produkten für den Elektroantrieb bei WAASNER sind stark steigend. Betrug der Umsatzanteil im Jahr 2010 noch 0,2 Prozent, lag er 2018 bereits bei über 10 Prozent und für 2020 erwartet das Unternehmen bereits einen Anteil von 20 Prozent.

In der angeregten Diskussion unter den Aussschussmitgliedern wurde deutlich, dass der Elektromotor deutlich weniger anfällig ist. Ein Verbrennungsmotor ist wesentlich komplizierter als ein vergleichbarer Elektromotor. Während ein typischer Pkw-Motor aus etwa 1.400 Einzelteilen besteht, kommt ein vergleichbarer E-Motor mit einem Bruchteil an Einzelteilen aus. Je weniger komplex ein Motor ist, umso niedriger sind auch die Wartungskosten, die etwa ein Zehntel im Vergleich zum Verbrennungsmotor betragen. In einer Präsentation zeigte Dr. Guido Weißmann,  Verantwortlicher für die bei Bayern Innovativ angesiedelte „Kompetenzstelle Elektromobilität“, die Leistungen der Einrichtung auf. Die Kompetenzstelle Elektromobilität begleitet den Markthochlauf der Elektromobilität zum Massenmarkt. Sie unterstützt Unternehmen, kommunale Einrichtungen und Vertreter aus Politik und Verwaltung als Innovationsmoderator, als zentrale Informationsdrehscheibe und als Berater, Technologiescout und Projektpartner.