Entwicklung in den AHKs: „Unsere Arbeitsweise hat sich gewandelt.“

Interview mit Maren Diale-Schellschmidt

Die Kenya-German Chamber of Commerce and Industry in Nairobi, Kenia.

Maren Diale-Schellschmidt,
Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Nairobi, Kenia (AHK Kenia).

Maren Diale-Schellschmidt spricht im Interview darüber, wie sich die Arbeit in der AHK gewandelt hat und warum kulturelle Feinheiten für die Wirtschaft wichtig sind.

Frau Diale-Schellschmidt, seit 2016 leiten Sie die AHK in Nairobi. Wie hat sich der Standort seither entwickelt?

Sehr gut – deutsche Unternehmen engagieren sich immer stärker in den afrikanischen Märkten. Wir betreuen ja nicht nur Kenia, sondern die gesamte Region Ostafrika. 2012 hat das Büro in Nairobi mit zwei Mitarbeitern eröffnet. Als ich 2016 dazukam, waren es schon zehn Leute, jetzt sind wir 25. Wir sind hier nah an den Unternehmen, in einem sehr dynamischen Umfeld. Für mich persönlich eine sehr befriedigende und spannende Arbeit.

Welchen Beitrag leistet die AHK in Kenia?

Wir sind vor allem Ansprechpartner für deutsche Unternehmen, geben Marktinformationen, vermitteln Kontakte. Wir kennen uns aber auch mit sprachlichen und kulturellen Feinheiten aus. Die sind oft entscheidender, als man denkt. Zum Beispiel spricht man sich hier in Kenia mit dem Vornamen an – da sind Deutsche oft erst mal irritiert. Auch ist der Kommunikationsstil nicht so direkt wie in Deutschland, da ist Feingefühl gefordert.

Arbeiten Sie dabei meist allein oder auch mit anderen Organisationen?

Wir haben Partnerschaften unter anderem mit Botschaften, Berufs- und Bildungsorganisationen, lokalen und deutschen Ministerien, Kammern und anderen Wirtschaftsverbänden. Ein Beispiel für unsere Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist das „ExpertTS“-Programm: Die Mitarbeiter sind bei der AHK angestellt und werden durch die GIZ mitfinanziert. Sie sollen die Verzahnung von unternehmerischem Engagement und Entwicklungsarbeit stärken.

Sie haben seit 1996 an verschiedenen AHK-Standorten gearbeitet, etwa in Südafrika, dem Balkan und im Baltikum. Wie hat sich Ihre Arbeit seither verändert?

Die Themen für Unternehmen haben sich kaum verändert: Sie suchen neue Märkte, brauchen Marktinformationen und wollen Geschäftspartner finden. Unsere eigene Arbeitsweise hat sich aber stark gewandelt: Durch die schnelle elektronische Kommunikation über Kontinente hinweg ist die Zusammenarbeit im AHK-Netz heute viel intensiver als früher. Wir tauschen Erfahrungen und Ideen zu wichtigen Branchen und Fachthemen aus – etwa im Bereich Umwelttechnologien oder in der Berufsbildung. Ein neueres Beispiel für die überregionale Zusammenarbeit ist die aktive Ansprache und Einbindung von Start-ups in die Arbeit der AHKs.

Wie arbeiten Sie mit den Start-ups?

In Kenia ist die Arbeit mit jungen Unternehmen sehr wichtig geworden. Vor allem in den Bereichen Fintech, Medizintechnik und Recycling gibt es hier viele interessante Start-ups. Wir helfen ihnen bei der Internationalisierung und vernetzen sie mit deutschen Firmen. Das stößt von beiden Seiten auf großes Interesse. Im vergangenen Jahr reisten 50 Vertreter von Start-ups aus 22 AHK-Standorten nach Deutschland, um dort Unternehmen, Investoren und Start-ups zu treffen.