Editorial

Eine gute Unternehmensnachfolge braucht Zeit

Dr. Heinrich Strunz IHK-Vizepräsident

In den nächsten Jahren stehen Hunderte oberfränkische Unternehmen vor einem Wechsel in der Unternehmensführung. Da der Großteil unserer mittelständischen Firmen Familienbetriebe sind, ist das Thema meist sehr persönlich. Wollen Familienmitglieder überhaupt die Verantwortung übernehmen? Gelingt es den bisherigen Lenkern das Steuerrad loszulassen? Oft geht das gut, wie unsere traditionsreichen Firmen zeigen. Es gibt Beispiele mit 300, 400 oder sogar über 500 Jahren in Familienhand. Damit rangiert Oberfranken einmal mehr ganz an der Spitze in Deutschland und vielleicht darüber hinaus.

Was, wenn eine solche Ideallösung nicht gelingt, mangels Interesse oder Eignung in der eigenen Familie? Auch dann sind Nachfolgelösungen aus dem Betrieb selbst oder von Partnerfirmen ein gangbarer und erfolgreicher Weg. Eine oder mehrere Führungskräfte der Firma übernehmen in Eigenregie oder ein Partner von außerhalb will die Geschäfte weiterführen. Beides hat in Oberfranken ebenfalls eine gute und erfolgreiche Tradition. Oft hört man bei Unternehmern: „Bevor einer diese gute Firma übernimmt, mit dem ich dann wahrscheinlich nicht mehr so gut zusammenarbeite, mache ich das selbst, denn ich weiß ja, was ich da bekomme.“

Wenn es aber auch damit zunächst nicht klappt, kommen Berater und auch die IHK als Vermittler ins Spiel. Der IHK-Nachfolger-Club ist seit 2008 aktiv und hat bisher schon weit über 700 Unternehmensnachfolgen begleitet. Handel, Gastgewerbe, Dienstleistungen und auch Verarbeitendes Gewerbe wurden betreut, es geht also quer durch alle Branchen. Über die Hälfte der  Lösungen war die Übernahme von außen, knapp ein Viertel konnte schließlich doch noch familienintern geregelt werden.

Wer selbst schon eine Betriebsübergabe erlebt hat, weiß, dass das wichtigste Gut dabei die Zeit ist. Hier werden die größten Fehler schon weit im Vorfeld gemacht, weil man das Thema immer  wieder auf die lange Bank schiebt. Es braucht aber keine Wochen, sondern viele Monate, wenn nicht sogar Jahre, damit eine tragfähige Regelung umgesetzt werden kann. Wenn der Unternehmer selbst zeitig beginnt, dann kann er sich einen Nachfolger aus der Familie oder aus dem Unternehmen aufbauen und guten Gewissens in den wohlverdienten Ruhestand gehen.

Ihr Unternehmen ist es wert! Regeln Sie Ihre Nachfolge rechtzeitig!

Ihr
Dr. Heinrich Strunz
IHK-Vizepräsident