DIHK

DIHK-Ausbildungsumfrage 2019

Auch wenn es der deutschen Wirtschaft nach wie vor schwerfällt, alle offenen Ausbildungsplätze zu besetzen, lässt die Ausbildungsumfrage 2019, die der DIHK Mitte August vorgestellt hat, einige positive Anzeichen erkennen.

Die Besetzung von Ausbildungsplätzen bleibt schwierig: Im Berichtsjahr 2018 blieben in rund jedem dritten Betrieb Ausbildungsplätze unbesetzt (32 Prozent; 2017: 34 Prozent).

Mehr Engagement in der Berufsorientierung ist notwendig: 47 Prozent der Betriebe geben an, dass realistische Berufsvorstellungen der Jugendlichen ihnen das Ausbilden erleichtern würden.

Bessere Zusammenarbeit mit Berufsschulen gewünscht: Für 37 Prozent der Betriebe würde eine noch bessere Zusammenarbeit mit ihrer Berufsschule das Ausbilden erleichtern.

Politik muss die Rahmenbedingungen verbessern: Bereits ein Drittel der Betriebe stellt zu weite Entfernungen zur Berufsschule fest.

Auswirkungen der Digitalisierung kommen in der betrieblichen Ausbildung schneller an: Für 77 Prozent der Betriebe sind IT-Kenntnisse der Jugendlichen in Zukunft ein wichtiges Einstellungsstellungskriterium.

Ausbildungsberufe machen fit für digitale Arbeitswelt: Drei von vier Betrieben bestätigen, dass die vorhandenen Ausbildungsberufe auch in Zeiten des digitalen Wandels ihren betrieblichen Bedarf treffen.

Integration von Geflüchteten wird zunehmend gelebte Praxis in Deutschland: Rund 16 Prozent der Unternehmen bilden derzeit Geflüchtete aus; im Vorjahr waren es 14 Prozent.

Wie kommt man an die Jugendlichen heran und begeistert sie?

Noch bevor die Suche nach einem Auszubildenden beginnt, sollten die Voraussetzungen für erfolgreiches Azubi-Marketing geschaffen sein. Das schließt ein, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen, um sich gut verkaufen zu können. Eine Stellenanzeige ist schließlich eine Visitenkarte für die spätere Ausbildung. Es lohnt sich, seine eigenen Azubis und/oder seine Mitarbeiter zu fragen, warum sie gerne im Unternehmen arbeiten. Was macht das Unternehmen besonders? Was genau schätzen die Menschen? Ist der Betrieb eher flippig und aufgeschlossen oder sehr vorhersehbar? Allein die Frage, wie eine Stellenanzeige formuliert ist, kann darüber entscheiden, ob sich jemand bewirbt oder nicht. Das Marketing kann aber nur so gut sein, wie die konkreten Inhalte und Ausbildungsabläufe gestaltet werden. Hier haben Betriebe ein großes Maß an Freiraum, durch das sie sich für ihre Bewerber besonders attraktiv machen können.

Immer mehr Unternehmen entdecken darüber hinaus das Modell der Ausbildungsbotschafter für sich (19 Prozent).

Die Unternehmen versuchen auf vielfältige Art und Weise, Azubis für sich zu gewinnen. Nach wie vor spielen dabei betriebliche Praktika die wichtige Rolle (47 Prozent). Immer mehr Unternehmen entdecken darüber hinaus das Modell der Ausbildungsbotschafter für sich (19 Prozent). Ausbildungsbotschafter sind ein spezielles Konzept zur Berufsorientierung und zur Ansprache von zukünftigen Azubis. Dabei werden aktuelle Azubis in Unternehmen geschult und nach Terminvereinbarung in interessierte Schulen gesandt, um auf Augenhöhe mit den Schülern über ihre Ausbildung zu sprechen. Der Austausch von Gleichaltrigen wird von potenziellen Bewerbern als glaubwürdiger und authentischer beschrieben; noch dazu sprechen sie die gleiche Sprache. Unternehmen, die sich ihren Bewerbern präsentieren, sollten stets die Einbeziehung ihrer eigenen Azubis mitdenken. Das kann beispielsweise auch bei Auswahlgesprächen der neuen Azubis stattfinden.

Für leistungsstarke junge Menschen ist es interessant, sich während der Ausbildung mehr Inhalt erarbeiten zu können. Hier können Betriebe mit zusätzlichen Angeboten wie Zusatzqualifikationen oderAuslandspraktika während der Ausbildung punkten. Diese Angebote verbleiben in der Ausbildungsumfrage auf konstant hohem Niveau. Auch für Studienabbrecher bieten Betriebe sehr gute Ausbildungschancen. Seit einigen Jahren intensivieren
die Unternehmen daher ihr Werben um diese Zielgruppe. So hat der Anteil der Betriebe, die diesen Weg gehen, im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um einen Prozentpunkt zugenommen und liegt jetzt bei 45 Prozent. Dieses Ergebnis wird auch durch Studien bestätigt, zum Beispiel durch die DZHW-Studie (Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung). Diese zeigt, dass mehr als vier von zehn Studienaussteigern innerhalb eines halben Jahres nach Studienabbruch eine duale Ausbildung beginnen. Die Untersuchung hat jedoch auch gezeigt, dass die Quote der Studienabbrecher nach wie vor viel zu hoch ist. Nahezu jeder dritte Bachelorstudent bricht sein Studium ab. Besonders ausgeprägt sind die Bemühungen der Betriebe um Studienabbrecher in den Bereichen IT (65 Prozent), Banken/Versicherung (64 Prozent) oder bei den unternehmensorientierten Dienstleistungen (48 Prozent). Die IHK-Organisation bietet Studienaussteigern dabei mit der Initiative „Mit Praxis zum Erfolg“ attraktive berufliche Qualifizierungs- und Karriereperspektiven.

20 Prozent (2018: 16 Prozent; 2017: 13 Prozent) der Betriebe setzen auf materielle oder finanzielle Anreize, um Azubis zu gewinnen – Tendenz steigend. Angeboten werden Goodies für Azubis in allen Branchen. Überproportional häufig machen Branchen mit den größten Besetzungsschwierigkeiten und mit dem drängendsten Fachkräftemangel davon Gebrauch – in den Bereichen IT (27 Prozent), im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie unternehmensorientierte Dienstleistungen (jeweils 24 Prozent), Verkehr/Logistik und in der Baubranche. Sie können das Zünglein an der Waage sein, wenn die Konkurrenz unter den Betrieben besonders hoch ist. Auch eine schlechte Verkehrsanbindung des Ausbildungsbetriebs kann auf diesem Weg teilweise ausgeglichen werden. 53 Prozent (2018: 55 Prozent) der Betriebe, die Goodies anbieten, fördern die Mobilität. Weitere 53 Prozent (2018: 43 Prozent; 2017: 40 Prozent) zahlen eine übertarifliche Vergütung, um das Interesse von Jugendlichen an bestimmten Berufen zu erhöhen. 37 Prozent (2018: 31 Prozent; 2017: 29 Prozent) derer, die Goodies anbieten, gewähren mehr als den gesetzlichen Urlaub und greifen damit ein Bedürfnis der Generationen Y und Z nach mehr Freizeit auf. Darüber hinaus werden genannt: Bonuszahlungen bei guten Noten, Smartphones, Dienstfahrräder, Büchergeld, Klassenfahrten, Business-Outfits oder Mitgliedschaften in Fitnessstudios.

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Die aktuelle Ausbildungsumfrage des DIHK können Sie hier downloaden: http://ihkofr.de/8j


In der Zeit vom 8. bis 31. Mai 2019 konnten sich Unternehmen online an der Befragung beteiligen. Die Auswahl und Ansprache der Unternehmen erfolgte über die Industrie- und Handelskammern. Insgesamt beteiligten sich 12.467 Unternehmen an der Online-Umfrage. Die Antworten verteilen sich auf die Wirtschaftszweige wie folgt: Industrie (ohne Bau) 26 Prozent, Baugewerbe fünf Prozent, IT sieben Prozent, Medien drei Prozent, Handel 17 Prozent, Gastgewerbe sechs Prozent, Verkehr (Transport/Logistik) sechs Prozent, Banken/Versicherungen sieben Prozent, Unternehmensorientierte Dienste drei Prozent, Gesundheit/Pflege drei Prozent, Immobilien drei Prozent, Sonstige Dienstleistungen 16 Prozent.