Wirtschaftstag IHK-Gremium Marktredwitz – Selb

Digitalisierung ist neue industrielle Revolution

Große Beteiligung der lokalen Politik am Wirtschaftstag in Weißenstadt (v. li.): Der Hofer Landrat Dr. Oliver Bär, Landtagsabgeordneter Martin Schöffel, IHK-Gremiumsgeschäftsführer Robert Göpel, Hagen Rickmann von der Telekom, IHK-Vizepräsidentin Dr. Laura Krainz-Leupoldt, Bundestagsvizepräsident Dr. Hans-Peter Friedrich und der Wunsiedler Landrat Dr. Karl Döhler.

Hagen Rickmann ist ein Geschäftsführer der Telekom Deutschland GmbH. Er leitet den Geschäftskundenbereich des Unternehmens. Dieser ist der zweitgrößte Geschäftsbereich der GmbH. Ab 2009 war Rickmann bei T-Systems, der Geschäftskundensparte der Deutschen Telekom, in verschiedenen Führungspositionen tätig. 2015 wechselte Rickmann zur Telekom Deutschland GmbH. Seit März 2015 ist er als Geschäftsführer verantwortlich für den gesamten Geschäftskundenbereich und legt seinen Schwerpunkt auf die Digitalisierung mittelständischer Unternehmen.

Hochkarätig besucht war der 6. Wirtschaftstag des IHK-Gremiums Markt-redwitz-Selb, für den die deutsche Digitalministerin Dorothee Bär die Schirmherrschaft übernommen hatte. Gremiumsvorsitzende Dr. Laura Krainz-Leupoldt begrüßte als Referenten Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland AG. Die nötigen Voraussetzungen für das Gelingen der digitalen Transformation in den Unternehmen wurden ebenso detailreich diskutiert wie der Stand der Dinge beim Breitbandausbau im Landkreis Wunsiedel. Alle Beteiligten sind sich einig: Die Digitalisierung ist die neue industrielle Revolution. Sie wird alle Lebensbereiche verändern und auch im ländlichen Raum muss man die Chancen nutzen können.

Hagen Rickmann ließ keinen Zweifel daran, dass Unternehmen, die sich der Digitalisierung verweigern und sich nicht der notwendigen Innovation im Betrieb widmen, ihre Existenz aufs Spiel setzen. Als Beispiele nannte er Unternehmen die mit Digitalisierung nicht Schritt halten konnten und vom Marktführer zum Nebendarsteller wurden: Kodak, Agfa, Nokia und viele mehr. Die Digitalisierung führt zu disruptiven Änderungen, innerhalb werden bisher erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen obsolet, der Unternehmenszweck bricht in sich zusammen. Die Telekom ist Netzbetreiber, Internet- und Telefon-Anbieter im Festnetz- und Mobilfunkbereich sowie Online-Dienstleister. Mit weitem Abstand auf andere Anbieter ist sie Marktführer.

Die Investitionstätigkeit braucht langen Atem, so Rickmann, denn der return on invest erfolgt oft in wenigstens 20 Jahren. Die Investitionen sind aber auch schwierig wegen großer Unbekannter: Wie entwickeln sich Technologien und ist die aktuelle Technologie in 5 oder 10 Jahren noch marktfähig. Als Beispiel nannte er den Mobilfunk, wo die SMS binnen weniger Jahre praktisch komplett durch WhatsApp ersetzt worden sind. Für Firmen gibt es aber auch viele neue Chancen, als Beispiele nannte er den traditionsreichen schwäbischen Spielehersteller Ravensburger Spiele und den CEWE-Verlag, die sich mit gedruckten Fotobüchern einen lukrativen Markt erschlossen hat.

Der Ausbau der IT-Infrastruktur läuft für Rickmann derzeit nicht zufriedenstellend gerade im Mobilfunkbereich. Die Tiefbaukapazitäten sind völlig ausgelastet, der Bauboom von gewerblicher und privater Seite treibt die Preise enorm nach oben. Es besteht auch der Zweifel, dass so viele Masten überhaupt gebaut werden können, wie es für eine lückenlose Abdeckung braucht. Ein Ausweg ist die Nutzung existierender Masten für die neue Technik, das wird derzeit für Röslau geprüft. Immer noch gibt es in der Bevölkerung starke Vorbehalte gegen den Ausbau. Wie oft will man zwar die modernste Technik haben, aber den Ausbau der Infrastruktur lehnt man ab.

Bundestagsvizepräsident Dr. Hans-Peter Friedrich, bestätigte die Einschätzung. Der neue Standard 5G werde zunächst entlang Hauptverkehrsachsen ausgebaut. Eine flächendeckende Erschließung sei aus Kosten- und Akzeptanzgründen sehr schwierig, da mindestens 10.000 neue Mobilfunkmasten nötig wären. Gleichzeitig sei es aber ein wichtiges Thema für die weitere Entwicklung im ländlichen Raum, denn ohne eine leistungsfähige Digitalinfrastruktur drohe eine weitere Abwanderung von Menschen und Firmen. In der lebhaften Diskussion zeigte sich die Unzufriedenheit mit dem Ausbau deutlich auf. Mit den vielen Lücken beim Mobilfunk sei ein Telefonat mit Geschäftspartnern in der Region fast nicht möglich und beim Breitband würden außerhalb der engeren Siedlungszone liegende Firmen oft nicht angeschlossen und müssten auf Richtfunkverbindungen ausweichen.