IHK-Neujahrsempfang

Der „ehrbare Kaufmann“ steht im Mittelpunkt

Der Neujahrsempfang der IHK ist jedes Jahr ein großes Treffen von Wirtschaft, Politik und Verwaltung.

Traditionell ist der Neujahrsempfang der IHK für Oberfranken Bayreuth die erste große Veranstaltung in der Region. So auch 2020, wo der ehrbare Kaufmann im Mittelpunkt stand. Professor Matthias F. Fifka skizzierte, warum es in den vergangenen Jahren zu einer Renaissance des ehrbaren Kaufmanns gekommen ist. In ihrem Ausblick auf 2020 zeigte sich IHK-Präsidentin Sonja Weigand vorsichtig optimistisch. Gegenüber der Politik stellte sie klare Forderungen: Das Spek­trum reichte von einer Steuerreform über einen Abbau der Bürokratie und eine Unterstützung gegen den Fachkräftemangel bis hin zur Planungssicherheit in der Energie- und Klimapolitik.

Professor Matthias F. Fifka und IHK-Präsidentin Sonja Weigand regten die Gäste mit ihren Redebeiträgen an.

IHK-Präsidentin Sonja Weigand begrüßte die Gäste des Empfangs und warf einen Blick auf 2019 zurück: „Was für ein schnelles, bewegtes Jahr. Manchmal denke ich, in welcher verrückten, extrem schnellen Zeit leben wir? Geht es Ihnen auch so? Denken wir 20 Jahre zurück. Die digitale Welt spielte im Geschäftsleben noch kaum eine Rolle.“ Man spüre es, dass das Umfeld zunehmend dynamischer und komplexer werde. Es sei eine schnelllebige Zeit, in der Innovationen auf allen Ebenen und Bereichen immer schneller erfolgten.

Dabei will Weigand aber nicht den Blick auf grundsätzliche Positionen des Unternehmertums verlieren und beschäftigt sich immer wieder mit dem Thema des Abends, dem „Ehrbaren Kaufmann“. „Dieser steht für Werte wie Integrität, Ehrlichkeit, Fleiß, Anstand, Respekt, Rechtstreue, Loyalität und Verlässlichkeit. Er ist weltoffen, freiheitlich orientiert und Vorbild in seinem Handeln“, so die IHK-Präsidentin.

Dabei warte eine Vielzahl von Herausforderungen auf die Unternehmen der Region. Auf nationaler Ebene bleibe die Zukunft der Automobilwirtschaft ein zentrales Thema. Nach wie vor sei unklar, in welche Richtung sich die Antriebstechnologie entwickeln werde. „Die Diesel-Krise sorgt jetzt auch in Oberfranken für negative Meldungen aus Kfz-Zulieferbetrieben. Zugleich blicken viele Unternehmen mit Sorge auf die Entwicklung der Energiekosten“, sagte Weigand. Erfreulich sei vor diesem Hintergrund, dass die Ein­trübung der Konjunktur und die damit einhergehende Verunsicherung nicht alle Branchen betroffen habe.

Klare Forderungen der regionalen Wirtschaft

Dann wandte sich die IHK-Präsidentin an die Politik und an die Verwaltung und formulierte klare Forderungen aus Sicht der regionalen Wirtschaft. „Wir brauchen eine Steuerreform, die spürbare Entlastungen für unsere Unternehmen bringt. Die deutsche Wirtschaft muss ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Die bestehenden finanziellen Spielräume müssen genutzt werden. Mit dem Abbau der Bürokratie müsse es endlich spürbar vorangehen, denn besonders kleinere Unternehmen litten unter dem hohen administrativen Aufwand, der für die Unternehmen oft in keinem Verhältnis zum Nutzen stehe. Ganz besonders brauchte die Wirtschaft Oberfrankens jedoch Unterstützung im Kampf gegen den Fachkräftemangel. „Trotz einer langsamer wachsenden Konjunktur verschärft sich der Mangel an Fachkräften zunehmend. Alle Branchen sind betroffen – vom Großunternehmen bis zum Kleinbetrieb. Für viele Unternehmen wird es immer schwieriger, Positionen mit Fachkräften zu besetzen. Wachstums- und Investitionshemmnisse sind die Folge“, analysierte Weigand die Situation. Der zunehmende Fachkräfte­engpass werde sich nochmals verstärken, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen und wenige Junge nachrücken. Zudem würden die Kosten für die Sozialsysteme dann erheblich steigen.

IHK-Präsidentin Sonja Weigand und IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner hießen alle Gäste persönlich willkommen – wie hier Staatsministerin Melanie Huml.

Zum Fachkräftemangel wurden die Vorschläge der IHK-Präsidentin ganz konkret. Die berufliche Bildung müsse gezielter gefördert werden, um mehr jungen Menschen zu einem Berufsabschluss und danach zu einer praxisnahen, dem Strukturwandel angepassten Weiterbildung zu verhelfen. „Positive Effekte kommen hier durch das novellierte Berufsbildungsgesetz, das die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung stärkt. Zudem muss es leichter werden, Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren und Geflüchtete mit Bleibestatus zu integrieren. Erleichterungen erhoffen wir uns durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz“, nannte Weigand als erste wichtige Erfolge auf diesem Weg. Nur wenn die Region es schaffe, qualifizierte Fachkräfte für die Unternehmen und für Oberfranken zu begeistern, werde sich die regionale Wirtschaft langfristig am Markt behaupten können.

Aktuell sorge vor allem die Energiepolitik für Unsicherheit, gerade bei den Großverbrauchern, die es zahlreich auch in der oberfränkischen Industrie gebe. „Und Unsicherheit, meine Damen und Herren, ist Gift für langlebige Investitionen und damit die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschafsstandorts.“

Nachfolger für Familienunternehmen gesucht

Oberfranken wird vor allem durch seine erfolgreichen mittelständischen Familienunternehmen geprägt, und für Unternehmer rückt aktuell ein weiteres Thema immer mehr in den Vordergrund: die Unterstützung bei der Nachfolgesicherung. „Ein Unternehmen zu führen ist für mich und sicher auch für viele der anwesenden Unternehmer die reizvollste berufliche Aufgabe. Doch in vielen Betrieben wird es immer schwerer, einen Unternehmensnachfolger zu finden. Wir brauchen Mutmacher mit Visionen und einen neuen Unternehmergeist, wollen wir diese He­rausforderung bestehen“, so Weigand. Es gebe viele Menschen, die einen solchen Unternehmergeist in sich tragen. Diese müssten beim Start wirkungsvoll unterstützt werden, damit sie Verantwortung für ein Unternehmen und damit auch für unsere Region übernehmen könnten.

Nur 44 Prozent der Deutschen haben Vertrauen in die Wirtschaft, so Fifka, Vorstand des Institutes für Wirtschaftswissenschaft und Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg. Dieses mangelnde Vertrauen sei dabei in erster Linie auf multinationale Konzerne zurückzuführen, wo durch Skandale viel Porzellan zerschlagen worden ist, gerade einmal 30 Prozent vertrauen diesem Teil der Wirtschaft. Gerade Banken und Automobilhersteller haben in den vergangenen Jahren Vertrauen verloren. Fifka: „In den deutschen Mittelstand haben dagegen 74 Prozent Vertrauen.“

Bei der Flut von Negativschlagzeilen stellt sich die Frage, ob früher alles besser war. Dies verneint der Wissenschaftler. Vielmehr werde heute viel genauer hingeschaut. Gerade über soziale Medien verbreiten sich Negativmeldungen heute viel schneller. Fifka: „Was heißt heute eigentlich ,richtig‘? Das ist heute viel komplexer geworden. Klar ist, mein Wort muss Gültigkeit haben.“

Festgeschriebene Werte für Unternehmen

Werte sollten deshalb von jedem Unternehmen festgeschrieben und die Mitarbeiter entsprechend sensibilisiert werden. Dass sich werteorientiertes Handeln lohne, zeige sich bei der Mitarbeiterbindung ebenso wie bei Kunden. Nachhaltige Innovationen spielen in diesen Themenkomplex hinein. Auch immer mehr Investoren lassen bei ihren Entscheidungen etwa soziale oder ökologische Standards einfließen.

Fifka machte deutlich, dass sich das Risiko­management eines Unternehmens durch Sensibilisierung verbessert und schloss mit den Worten von Warren Buffett: „Es braucht 20 Jahre, um einen guten Ruf aufzubauen, und 5 Minuten, um ihn zu ruinieren.“ Diese Aussage spreche für sich selbst, so Fifka und verdeutlichte, warum der „ehrbare Kaufmann“ auch im Jahr 2020 noch zeitgemäß ist.