Bayerisches Wirtschaftsarchiv

Das „Gedächtnis“ der bayerischen Wirtschaft

Briefkopf der Bayreuther Zuckerwaren-, Biscuit- und Lebkuchenfabrik Oscar Teuschner, 1906

Ohne Wagner ging es auch bei der Bayreuther Zuckerwaren-, Biscuit- und Lebkuchenfabrik Oscar Teuschner nicht. Zu den besonderen Spezialitäten gehörten die „Parsifal-Cakes“, wie man seinerzeit noch für Kekse schrieb. Die süßen Leckereien aus dem Hause Teusch­ner erfreuten sich großer Beliebtheit. Auf dem Briefkopf mit der Firmenansicht dampft ein mächtiger Schornstein als Symbol für Fortschritt und Wohlstand. Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv ist der reichverzierte Rechnungsbogen aus dem Jahr 1906 überliefert.

Dort befinden sich mehr als 250 Archivbestände traditionsreicher Unternehmen und Wirtschaftsorganisationen aus ganz Bayern, vom mainfränkischen Schiffbau über die schwäbische Textilindustrie bis zum oberfränkischen Braugewerbe. In den „Schatzkammern“ des Archivs lagern auf rund 5.700 Regalmetern wertvolle Bild-, Schrift- und Tondokumente.

Bierpalast: Plakat der Bayreuther Brauerei Gebr. Maisel, um 1910.

„Man steht nur dann ganz fest in der Gegenwart und kann aus ihr heraus in die Zukunft wirken, wenn man die Vergangenheit kennt“, meinte einmal der Industrielle Peter von Siemens. Doch gemessen an der Vielzahl traditionsreicher Unternehmen sind es nur wenige Betriebe, die ihre „Geschichte“ professionell in eigenen Archiven betreuen. Vor allem im Bereich des Mittelstands führen wichtige Belege unternehmerischen Wirkens ein Schattendasein in Kellern oder Speichern. Und bei Betriebsstill­egungen, Insolvenzen oder Verkäufen droht unwiederbringlichen und einmaligen Quellenzeugnissen der bayerischen Wirtschaftsgeschichte das unwiderrufliche Aus im Reißwolf. Aus kulturellem Engagement entschlossen sich daher die bayerischen IHKs 1994, gemeinsam ein Landeswirtschaftsarchiv aus der Taufe zu heben. Hier finden Geschäftsbücher und Protokollserien, Festschriften und Jahresberichte, historische Plakate, Fabrikordnungen und Fotos einen fachlich betreuten Standort.

Mit dem Bayerischen Wirtschaftsarchiv bieten die IHKs im weißblauen Freistaat ihren Mitgliedsunternehmen einen wertvollen Service. Die Archivmitarbeiter sichten vor Ort die alten Geschäftsunterlagen und stellen die sachgemäße Aufbewahrung der historischen Dokumente in den klimakontrollierten Magazinen des Wirtschaftsarchivs sicher. Außerdem erschließen die Archivspezialisten die übernommenen Materialien in einer eigenen Datenbank und erarbeiten als Nachweis ein Quelleninventar. So können die Firmen gezielt und schnell auf die abgegebenen Altbestände zugreifen.

Seit seiner Gründung hat das Bayerische Wirtschaftsarchiv einen riesigen Quellenfundus aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen zusammengetragen. Er beleuchtet Bayerns wirtschaftliche Entwicklung seit dem Aufbruch ins Industriezeitalter und bietet wichtige Quellengrundlagen. Als Drehscheibe zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist das Wirtschaftsarchiv Anlaufstelle für wirtschafts-, technik- und sozialgeschichtliche, aber auch heimatkundliche Forschungsvorhaben. Dabei wird gute Betreuung mit hoher Benutzerfreundlichkeit und großer Sachkompetenz bei den Archivmitarbeitern großgeschrieben. Ohne das Netz läuft auch im Archivbereich nichts mehr. So stellt das Bayerische Wirtschaftsarchiv unter der Adresse www.wirtschaftsarchiv.bihk.de komplette elek­tronische Findbücher und Datenbanken zur komfortablen Online-Recherche zur Verfügung. Voraussetzung dafür ist die Genehmigung der jeweiligen Firma oder des jeweiligen Verbands. Seit kurzem ist das Wirtschaftsarchiv auch auf bavarikon vertreten. Auf dem Internetportal des Freistaats zu bayerischen Schätzen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft hat es sogar mit ausgewählten Exponaten den Sprung in die Bestenliste geschafft.

Zu den nachgefragten Angeboten des Wirtschaftsarchivs gehören exklusive Führungen durch die Magazine. Auch eine Studiengruppe aus Shenzhen begeisterte sich vor kurzem für die Schätze aus der bayerischen Wirtschaftsgeschichte. Besonders gut gefielen den chinesischen Besuchern die archivalischen Kostbarkeiten rund um das bayerische Bier.

„Markige“ Werbung: Reklamemarke der Bayreuther Firma Hans Schneider für „Hiffenmarmelade“. Die Konfitüre aus Hagebuttenmark verfügt über einen hohen Vitamin-C-Gehalt und war damit früher ein wichtiger Bestandteil des Speiseplans.

Als echte Selbstverwaltungseinrichtung arbeitet das Landeswirtschaftsarchiv ganz ohne staatliche Zuschüsse. Es trägt sich über die bayerischen Industrie- und Handelskammern und über das Sponsoring eines gemeinnützigen Förderkreises. Mehr als 220 Unternehmen, Organisationen und Persönlichkeiten der Wirtschaft unterstützen die Aufgaben und Ziele dieser im Freistaat einmaligen Institution. Neue Mitglieder sind immer herzlich willkommen.
(von Dr. Eva Moser)

Wenn Sie Ihre interessanten Originaldokumente zu Ihrer Firmengeschichte dem Bayerischen Wirtschaftsarchiv zur Verfügung stellen möchten, vermitteln wir gern den Kontakt. Interessant sind auch Originalpublikationen, Festschriften oder Ähnliches von Ihren Firmenjubiläen. Bevor wertvolle Unterlagen in den Reißwolf wandern – informieren Sie sich über die Möglichkeiten, diese für die nachfolgenden Generationen zu bewahren.

Weitere Informationen gibt Ihnen gern die Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs,
Dr. Eva Moser, 0 89 5116–32 85, eva.moser@muenchen.ihk.de.

IHK für Oberfranken Bayreuth
Cornelia Kern
Leiterin Referat EU-Fragen/
Kooperationsprogramme
0921 886-152
kern@bayreuth.ihk.de