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Das Büro des Freistaates Bayern in Äthiopien – Drehscheibe für Wirtschaft und Politik

Linda Schraml, Leiterin des Bayern-Büros in Äthiopien.

Frau Schraml, Sie leiten das Bayern-Büro in Äthiopien. Bitte skizzieren Sie kurz dessen Aufgaben und Ziele.

Das Bayerische Afrikabüro ist die Drehscheibe des Freistaats Bayern für den Austausch und die Zusammenarbeit mit den afrikanischen Staaten sowie der Afrikanischen Union.

Das Büro koordiniert Bayerns Engagement in den Bereichen Wirtschaft, Berufliche Bildung und Entwicklungszusammenarbeit und ist die bayerische Kontaktstelle für ganz Afrika. Durch die Verknüpfung dieser Themenbereiche bietet das Büro eine Anlaufstelle sowohl für bayerische Unternehmer, die an Investitionen in Äthiopien interessiert sind als auch für Vertreter afrikanischer Staaten, die den Kontakt zur Bayerischen Staatsregierung suchen. Darüber hinaus fungiert das Büro als Informationsstelle für die Bayerische Staatsregierung zu aktuellen Entwicklungen innerhalb der Afrikanischen Union und ihrer Mitgliedstaaten. Das Bayerische Afrikabüro ist an die Infrastruktur der GIZ und dessen Global Business Network-Programm (GBN) angebunden. Dieses ist ebenfalls eine Ansprechstruktur für deutsche und internationale Unternehmen und berät zu Kooperationsmöglichkeiten mit der Entwicklungszusammenarbeit: http://www.bmz.de/de/zentrales_downloadarchiv/mitmachen/GBN-Aethiopien.pdf

Warum hat der Freistaat ein Büro gerade in Äthiopien eröffnet?

Äthiopien ist das Modell-Land des Bayerischen Afrikapakets. Bayern strebt eine langfristige Partnerschaft mit Äthiopien an, in der durch gemeinsame Projekte die Entwicklung Äthiopiens unterstützt werden soll. Addis Abeba ist darüber hinaus als „bayerische Basis“ in Afrika der strategisch richtige Ort: Als Hauptsitz der Afrikanischen Union sind hier alle afrikanischen Staaten vertreten. So kann Bayern zu allen afrikanischen Ländern seine Kontakte verstärken, insbesondere auch zu Partnerländern wie Tunesien.

Welche Marktchancen für KMU bietet das Land Äthiopien, welche Branchen haben gute Aussichten?

Die äthiopische Regierung hat eine sehr stringente Industrialisierungsstrategie, die darauf abzielt, Äthiopien 2025 zum Leichtmanufaktur-Hub und zum lower-middle-income-country zu entwickeln. In diesem Rahmen sollen bis zu 22 Industrieparks aufgebaut werden, die als Sonderwirtschaftszonen fungieren und je nach Branche, Produktionsstandort und Fertigungstiefe unterschiedliche Vergünstigungen und Investitionsanreize bieten. Die Schwerpunktsektoren der äthiopischen Regierung – die auch vornehmlich in den Industrieparks vertreten sind – sind Textilwirtschaft und Bekleidung, Leder und Schuhe, Pharmazie und Nahrungsmittelverarbeitung sowie übergreifende Sektoren wie Energie, Bauwirtschaft und Infrastruktur. Überschneidende Themen mit der deutschen Wirtschaft sind unter anderem Gesundheitswirtschaft und Medizintechnik, Erneuerbare Energien, der gesamte Bereich der Umwelttechnologie sowie Know-how-Transfer. Die äthiopische Regierung versucht auch, hohe Umweltstandards in den Industrieparks umzusetzen.

Insbesondere durch staatliche Investitionen in den Infrastrukturbereich wurden im letzten Jahrzehnt jährliche zweistellige Wachstumsraten erreicht. Gleichzeitig wurde der Privatwirtschaft eine immer größere Rolle eingeräumt. Zusätzlich gelingt es der derzeitigen Regierung unter Premierminister Abiy Ahmed Ali, eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen und lange überfällige Reformprozesse anzustoßen. Unter anderem deshalb wurde Äthiopien auch für die Reformpartnerschaft des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ausgewählt.

Welche Hemmnisse oder Stolpersteine gibt es für Unternehmer, die sich wirtschaftlich in Äthiopien engagieren möchten?

Hohe Bürokratie und mangelnder Zugang zu Devisen sind nach wie vor große Herausforderungen für Unternehmen, die vor Ort den Markt erschließen wollen. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Eröffnung einer Repräsentanz sowie der Gründung eines Unternehmens. Dabei sind die Unternehmen mit sehr konkreten und detaillierten Anforderung konfrontiert. Darüber hinaus ist von internationalen Investoren eine Mindesteinlage von 200.000 Euro erforderlich. Um ein Gewerbe anzumelden, müssen Unternehmer/innen in Äthiopien etwa 33 Tage einplanen – fast viermal so viel Zeit wie im Schnitt der OECD-Staaten. Hinzu kommen unzureichende Kapazitäten und Kenntnisse bei den Behörden und teils auch unzureichend definierte Regelungen, wodurch der Übergang von der politischen auf die operative Ebene oftmals schwierig vonstattengeht. Die Wertschöpfung im Land ist sehr gering, wodurch die industrielle Produktion von einer sehr hohen Importabhängigkeit geprägt ist.

In diesem Zusammenhang finde ich es sehr wichtig, auf die zahlreichen Unterstützungsangebote der deutschen Bundesregierung in Afrika zu verweisen: die Kooperation zwischen dem GBN, der regional zuständigen AHK und der deutschen Botschaft vor Ort, wodurch Unternehmensanfrage je nach Bedarf beantwortet werden können, das Bayerische Afrikabüro, die Sonderinitiative Jobs des BMZ, das neu gegründete Wirtschaftsnetzwerk Afrika des BMWi und den kürzlich ins Leben gerufenen Entwicklungsinvestitionsfond der deutschen Bundesregierung, welcher neben dem erwähnten Wirtschaftsnetzwerk Afrika zwei Fonds der DEG und KfW (AfricaConnect und AfricaGrow) enthält, um deutsche Unternehmen in Afrika zu unterstützen.

Das Interview führte Karoline Rübsam/Außenwirtschaftsportal Bayern. Den vollständigen Text finden Sie unter diesem Link: http://ihkofr.de/8x