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„Chancenmärkte für Oberfranken“ im Fokus: Australien

lebt seit 2007 in Australien und leitet seit Anfang 2016 den Policy-Bereich bei der AHK Australien. Der promovierte Politikwissenschaftler hat in Deutschland unter anderem im Bundestag im Bereich Europa- und Handelspolitik gearbeitet.

Bevor wir starten, wie haben Sie den diesjährigen Australia Day zelebriert?

Australia Day war auch in diesem Jahr ein hervorragender Sommertag mit einem BBQ mit Freunden.

Vom Australia Day zum Freihandelsabkommen:

Die Verhandlungen zum EU-Australien Freihandelsabkommen sind in einer entscheidenden Phase. Nach einem sehr guten Start der Verhandlungen kommen jetzt die Knackpunkte. Die liegen vor allem im Agrarbereich, wo Australien stärkeren Zugang zum EU-Markt anstrebt und die EU geografische Ursprungsbezeichnungen besser geschützt sehen will. Gleichzeitig sehen beide Seiten sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft das enorme Potenzial dieses Abkommens und sind sehr an einem Abschluss interessiert. Weitere Bereiche, die derzeit noch verhandelt werden, sind die Anerkennung technischer Normen, Visa-Regeln und die Details zum Abbau von Zöllen.

Wann die Verhandlungen abgeschlossen werden und das Abkommen in Kraft tritt, ist sehr schwer vorhersehbar. Als AHK Australien drängen wir auf einen baldigen Abschluss, aber gleichzeitig auch auf ein umfassendes Abkommen, bei dem sowohl tarifäre wie nicht-tarifäre Handelshemmnisse möglichst umfassend abgebaut werden.

Wo finde ich weitere Informationen zum Freihandelsabkommen?

Als AHK Australien bieten wir umfassende Updates in unseren Newslettern sowie bei unseren Veranstaltungen und Sprechtagen. Daneben bieten sowohl die EU-Seite wie auch die australische Seite umfangreiche Dokumente und das Verhandlungsmandat im Internet an.

Bieten Sie Beratungen zum Freihandelsabkommen für deutsche Unternehmen an?

Bei Freihandelsabkommen gilt das Prinzip „Nichts ist vereinbart, bis alles vereinbart ist“. Somit stehen die Regeln des Freihandelsabkommens erst fest, wenn das gesamte Abkommen ausgehandelt und vereinbart ist. Für individuelle Beratungen ist es somit zu früh. Die AHK Australien bietet aber maßgeschneiderte Beratungen für deutsche Unternehmen an, wobei die wahrscheinlichen Regeln des Freihandelsabkommens schon jetzt einbezogen werden.

Steht die EU und insbesondere Deutschland bei Scott Morrison, dem neuen Premierminister, genauso weit oben wie bei seinem Vorgänger Malcom Turnbull?

Die AHK Australien pflegt seit Jahren einen sehr engen Austausch mit der australischen Regierung wie auch der Opposition. Auch Premierminister Scott Morrison ist sehr an den deutsch-australischen Beziehungen interessiert und möchte vor allem die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen schnell zu einem erfolgreichen Abschluss bringen. Wir haben durch unsere Gespräche erfahren, dass sowohl die Regierung wie auch die oppositionelle Labor-Partei das starke Potenzial in der deutsch-australischen Wirtschaftsbeziehung sehen und neben einem stärkeren Handel auch an Themen wie dem deutschen Mittelstand und Industrie 4.0 sehr interessiert sind.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Fragen zum australischen Markt habe?

Die AHK Australien bietet umfassende Beratungen zum australischen Markt und dem Markteintritt an. Am besten schauen Sie zunächst auf die Webseite (http://www.germany-australia.com.au/) und wenden sich dann an unser sehr kompetentes DEinternational Beratungsteam ( http://www.germany-australia.com.au/kontakt/). Das Team koordiniert seine Arbeit auch sehr eng mit mir, somit können wir Ihnen auch zum Thema Freihandelsabkommen die aktuellsten Informationen bieten.

Heiko Stumpf ist seit August 2018 für GTAI in Sydney tätig und berichtet über die sich bietenden Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen in Australien und Neuseeland. Dazu gehören Marktberichte zu verschiedenen Sektoren wie Bergbau, Bauwesen, Agribusiness oder Energie. Zuvor berichtete Heiko Stumpf sechs Jahre lang aus den Ländern des südlichen Afrikas.

Auch an Sie die Frage: Wie lief Ihr Australia Day ab?

Mit einem Ausflug in die schöne Natur Sydneys. Die Stadt ist von einer Vielzahl an Nationalparks umgeben, welche traumhafte Küstenwanderungen ermöglichen.

Warum sollte ich als deutsches Unternehmen in Australien tätig werden? Wo sind Chancen für oberfränkische Unternehmen? Welche Branchen entwickeln sich gut? Welche Produkte sind besonders gefragt?

Der Importbedarf in Australien ist insgesamt sehr hoch und liegt in Bereichen wie der Medizintechnik oder dem Maschinen- und Anlagenbau bei 70 bis 80 Prozent. Dies bietet interessante Zulieferchancen für oberfränkische Unternehmen, die ihre Stärken in klassischen Industriesegmenten haben. Hohe Nachfrage nach Ausrüstung schafft der boomende Infrastrukturausbau. Insbesondere der Transportsektor bekommt viel Aufmerksamkeit, die in der Planung befindlichen Verkehrsprojekte erreichen ein Volumen von knapp 100 Millionen US$. Aber auch aus der Nahrungsmittelindustrie kommt eine wachsende Maschinennachfrage.

Welche Vorteile bietet das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Australien?

In den bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Australien ist noch Luft nach oben. Zuletzt war Deutschland nur das sechstwichtigste Lieferland Australiens. Auf den vorderen Plätzen finden sich mit China, USA, Korea, Japan und Thailand Länder, mit denen Australien schon ein Freihandelsabkommen geschlossen hat. Nach einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen mit der EU könnte Deutschland seine Ausfuhren nach Down Under deutlich steigern und sich auf der Rangliste weiter nach vorne schieben.

Ist eine Präsenz vor Ort für das Australiengeschäft vorteilhaft?

Eine Präsenz vor Ort ist für den Aufbau eines Kundenstamms und den Verkaufserfolg von wichtiger Bedeutung. Australische Kunden legen einen großen Wert auf einen funktionierenden After-Sales-Service und verlangen wegen der Zeitverschiebung von acht bis zehn Stunden kompetente Ansprechpartner vor Ort. Mit einer lokalen Präsenz, sei es über eine eigene Niederlassung oder einen gut ausgewählten Vertriebspartner kann auch die in Australien wichtige persönliche Beziehung zu den Kunden gepflegt werden.

Australien schneidet in Kategorien wie Wachstum und Entwicklung bei vielen Rankings sehr gut ab. Woran liegt das?

Die Wirtschaft Australiens ist in den vergangenen 27 Jahren ununterbrochen gewachsen. Dies fördert hohe Einkommen und schafft Wohlstand. Ein wichtiger Faktor ist dabei das hohe Bevölkerungswachstum, die Einwohnerzahl des Landes wuchs zuletzt um rund 400.000 Menschen pro Jahr. Ein Großteil geht auf eine hochqualifizierte Zuwanderung zurück, was wiederum die Binnennachfrage belebt. Zudem spielt der boomende Rohstoffexport eine Rolle, mittlerweile ist Australien der weltweit größte Gasexporteur. Dies spült auch viel Geld in die öffentlichen Kassen, das beispielsweise für den Ausbau der Infrastruktur zur Verfügung steht.