Umwelt- und Energieausschuss

Besuch der Sonderabfallverbrennungsanlage der GSB in Baar-Ebenhausen

Dr. Herrmann, Leiter Arbeitssicherheit und Labormanagement am Standort, erklärt den Teilnehmern den Anlagenbetrieb.

Von der Betriebsbesichtigung Europas leistungsstärkster Sonderabfallverbrennungsanlage waren die Teilnehmer des Umwelt- und Energieausschusses äußerst beeindruckt. Pro Jahr werden dort 188.444 Tonnen gefährliche Rückstände aus Industrie, Gewerbe und Privathaushalten verbrannt.

Die Verbrennungsanlage in Baar-Ebenhausen verfügt über eine sehr komplexe Anlagentechnik, die in einem mehrstufigen Prozess über Verbrennung, Nachverbrennung bis zur Reinigung der Rauchgase Schadstoffe eliminiert und ausfiltert und damit eine sichere Entsorgung gewährleistet. Am Standort arbeiten 200 Mitarbeiter an 365 Tagen pro Jahr. Auf dem gesamten Gelände gelten hohe gesetzliche Sicherheitsstandards für den Betrieb der technischen Anlagen sowie die Lagerung und das Handling der Sonderabfälle. Sicherheitsstandards, die man ansonsten nur aus der chemischen Industrie kennt. Für einige Bereiche der Anlage gelten Zutrittsverbote für Besucher. Dies ist dringend erforderlich, da auf der Anlage nahezu alles an gefährlichen Stoffen gehandhabt wird, was in der Wirtschaft Verwendung findet. Die Einhaltung der Vorschriften wird sowohl innerbetrieblich als auch von den zuständigen Behörden genau und regelmäßig überwacht. Jede Anlieferung unterliegt der Eingangskontrolle und wird im eigenen Labor analysiert und bewertet.

Es werden zwei Verbrennungslinien, aufgebaut als Drehrohrofen, betrieben. Die Drehrohröfen sind jeweils 12 Meter lang und haben einen Durchmesser von knapp 5 Metern. Jährlich müssen die innenliegenden Schamottesteine kontrolliert und schadhafte Stellen ausgebessert werden. Nach der Revision muss das Drehrohr mit Heizölbrennern wieder auf eine Betriebstemperatur von 1.200 Grad aufgeheizt werden. Die Aufheizzeit beträgt 1 Woche und verbraucht ca. 500 Kubikmeter Heizöl. Es bedarf jahrzehntelanger Betriebserfahrung und sehr viel Know-how, dass bei wechselnden Brennstoffen sämtliche schädliche organische Verbindungen beseitigt oder abgeschieden werden. Täglich wird ein Verbrennungsplan aufgestellt, um gefährliche chemische Reaktionen im Drehrohrofen zu vermeiden und die Verbrennungstemperatur konstant zu halten. Mit der Abhitze aus der Sonderabfallverbrennung wird Heißdampf für zwei Stromturbinen erzeugt. Damit kann der Strombedarf für den gesamten Standort gedeckt werden.

Die Emissionswerte der Verbrennungslinien werden kontinuierlich erfasst und auf der Homepage der GSB veröffentlicht. Die konstant niedrigen Emissionen sind nur durch eine kontrollierte Anlagenführung möglich. Die nach der Bundesimmissionsschutzverordnung erlaubten Grenzwerte werden bei weitem nicht ausgeschöpft. Um nachweisen zu können, dass die Umgebung nicht mit Schadstoffen belastet wird, findet ein sogenanntes „Bio-Monitoring“ statt. In der Praxis werden Weidelgras und Grünkohl in Pflanztöpfen regelmäßig untersucht. Überrascht waren die Teilnehmer, dass trotz der vielen gehandhabten Chemikalien kaum der dafür typische Geruch auf der Anlage wahrnehmbar ist, was auf einen sauberen und sicheren Anlagenbetrieb schließen lässt.