Editorial

Auslandshandelskammern – die Freunde in der Fremde

Dr. Laura Krainz-Leupoldt IHK-Vizepräsidentin

Deutschland ist Exportweltmeister – und das nicht aus Zufall. Die größte Stärke sind unsere Produkte und Dienstleistungen mit dem legendären Ruf „Made in Germany“. Eigentlich war dieses Label von der Konkurrenz aus England etabliert worden, um deutsche Produkte schlechtzumachen, ein grandios gescheiterter Plan. Heute gilt es als die werbestärkste Herkunftsbezeichnung auf dem weltweiten Markt. Trotzdem verkaufen sich deutsche Produkte und Dienstleistungen nicht von selbst, denn für den Export müssen Märkte erschlossen und dann gegen die Konkurrenz behauptet werden. Da ist es gut, wenn man vor Ort Kontaktpartner hat, die den lokalen Markt, die regionalen Eigenheiten und möglichst auch die Landessprache kennen.

Seit 125 Jahren sind die Auslandshandelskammern (AHK) für deutsche Firmen die sachkundigen Ansprechpartner vor Ort. Es hat sich in dieser Zeit ein weltweit umspannendes Netz entwickelt, das ständig ausgebaut und verbessert wird. Die erste AHK war die „Belgisch-Deutsche“, gegründet 1894. Sie hatte zur Weltausstellung in Brüssel 1897 ihre große Bewährungsprobe, die sie mit Erfolg bestand. Die deutschen Firmen konnten sich sehr gut präsentieren und hatten mit der professionellen Ausstellungsbetreuung einen Wettbewerbsvorteil. Derzeit betreiben die AHKs über 140 Büros in 92 Ländern, Tendenz steigend. Dass diese Einrichtungen dem Marktgeschehen folgen, zeigt die Tatsache, dass die AHK China mit 12 Büros die größte Interessensvertretung ist.

Die Leistungen der AHKs für ratsuchende Firmen sind umfassend. Die Erstberatungen durch die AHKs, die meist in den Industrie- und Handelskammern (IHK) stattfinden, sind in der Regel kostenfrei. Dort kann man sich im individuellen Gespräch informieren lassen. Die Experten analysieren die Wettbewerbsbedingungen im Ausland und kennen die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen sicheren Start. Sie helfen, Geschäftspartner zu finden und stellen Kontakte her. Für den Anfang kann ein interessiertes Unternehmen die Infrastruktur und Büroservices der AHK nutzen. Später kann Hilfe bei der Ausweitung der Geschäftstätigkeit und bei der Suche nach qualifiziertem Personal geleistet werden.

Während der gesamten Tätigkeit auf den Auslandsmärkten können sich deutsche Unternehmen auf die Hilfe der AHKs verlassen. Regelmäßig werden Fach- und Netzwerkveranstaltungen durchgeführt, damit die Kontakte der Firmen vor Ort gestärkt und Erfahrungen ausgetauscht werden. Besonders hilfreich ist es, dass auch die Partner der ins Ausland entsandten Mitarbeiter betreut werden und ihnen bei der Integration zur Hand gegangen wird. Auch bei uns in Oberfranken ist der Exportanteil sehr kräftig angestiegen, von 16 Prozent 1978 auf 50 Prozent 2018. Und es warten international noch viele weitere Chancen auf unsere erfolgreichen Firmen.

Kommen Sie mit auf neue internationale Märkte, die IHK und die AHKs helfen Ihnen dabei!

Ihre Dr. Laura Krainz-Leupoldt
IHK-Vizepräsidentin