Arbeitsschutz: Was Unternehmen tun müssen

Arbeitsschutz ist eine Pflichtaufgabe für jedes Unternehmen. Es gibt aber unterschiedliche Möglichkeiten, ihn umzusetzen. Ingo Häublein, Experte für Arbeitssicherheit aus Redwitz, erklärt, worauf es dabei ankommt.

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Herr Häublein, in Deutschland muss jedes Unternehmen bereits ab einem Mitarbeiter eine Fachkraft für Arbeitssicherheit haben. Ist das nicht eine übertrieben strenge Vorschrift?

Ingo Häublein: Nein. Wirksamer Arbeitsschutz ist unerlässlich, um die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit ist eine speziell ausgebildete Person, die zusammen mit einem Betriebsarzt Unternehmen oder Behörden bei Aufgaben unterstützt, die sich aus dem Arbeitsschutzgesetz ergeben. Es handelt sich dabei um eine beratende Funktion. Die Umsetzung ist Sache des Unternehmers. Große Unternehmen haben oft eigene, fest angestellte Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Aber auch sie greifen vielfach auf externe Fachkräfte zurück. Ziel ist in jedem Fall die Verhütung von Unfällen und der Schutz der Gesundheit der Beschäftigten.

Welche Aufgaben hat eine solche Fachkraft für Arbeitssicherheit?

Sie berät den Arbeitgeber zu allen Maßnahmen, die notwendig sind, um Leben und Gesundheit der Arbeitnehmer zu schützen, ihre Arbeitskraft zu erhalten und die Arbeit menschengerecht zu gestalten. Dazu gehörten zum Beispiel die Auswahl und Erprobung von persönlicher Schutzausrüstung oder die sicherheitstechnische Prüfung von Betriebsanlagen. Aber auch die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze, der Abläufe und der Arbeitsumgebung spielten eine Rolle. Außerdem gehört eine regelmäßige Begehung der Arbeitsstätte zu den Aufgaben, ebenso wie Vorschläge zur Behebung von Mängeln, die dabei möglicherweise festgestellt werden. Mehr Informationen dazu finden Interessenten auch auf unserer Internetseite www.arbeitssicherheit-prozessoptimierung.de.

Welche Arten von Arbeitsschutz gibt es?

Man unterscheidet zwischen allgemeinem und sozialem Arbeitsschutz. Sobald der Arbeitgeber mittels Dienstanweisung Sicherheitsvorschriften erlässt oder einer entsprechenden Dienstvereinbarung zustimmt, sind diese für die Arbeitnehmer zwingendes Recht des Arbeitsverhältnisses. Verstöße können zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen bis hin zur Kündigung führen. Sozialer Arbeitsschutzv beinhaltet zum Beispiel Arbeitszeiten, Jugendarbeitsschutz oder Mutterschutz.

Was können Sie kleineren Unternehmen zum Thema Arbeitsschutz raten?

Ich möchte hier vor allem auf das sogenannte Unternehmermodell hinweisen. Es wird auch Arbeitgebermodell genannt und kann von Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten genutzt werden. Dabei übernimmt der Unternehmer oder die Unternehmerin selbst die Aufgaben des Arbeitsschutzes. Voraussetzung ist allerdings, dass er oder sie aktiv in das Betriebsgeschehen eingebunden ist. Das Modell sieht unter anderem Motivations-, Informations- und Fortbildungsmaßnahmen für den Unternehmer vor. Über das Ausmaß der externen Betreuung kann er – je nach Bedarf – selbst entscheiden. Eine Sonderregelung gibt es für Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern. Hier spricht man von einer aufwandsbezogenen Betreuung, wobei der notwendige Aufwand von einer externen Fachkraft für Arbeitssicherheit ermittelt wird. Welches Modell im Einzelfall das beste ist, sollten Unternehmen am besten im Gespräch mit den Berufsgenossenschaften abklären.