Recht und Steuern

10. Oberfränkischer Vermittlertag in Bayreuth

Beim 10. Vermittlertag (v. li.): Stefan Cordes, Michael Höring, Prof. Dr. Matthias Beenken, Patrick Hufen, Uwe Dressel, Susanne Göller, Stefan Wölfel, Michael Berthold.

Am 17. September 2019 trafen sich bereits zum zehnten Mal Versicherungsvermittler aus ganz Oberfranken zu einem gemeinsamen Branchenaustausch mit spannenden Vorträgen in der IHK für Oberfranken Bayreuth. Im Jahr 2009 als Gemeinschaftsprojekt der IHK, des BVK-Nordbayern und des BWV Nordbayern-Thüringen aus der Taufe gehoben, erfreut sich der Vermittlertag seitdem ungebrochener Beliebtheit. Auch an diesem Tag ist wieder spürbar, dass der Branchentreff mittlerweile bei zahlreichen Vermittlern aus der Region zu einem festen Termin in ihrer Jahresplanung geworden ist.

Wie Hans Rebhan, Vizepräsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und selbst in der Versicherungsbranche tätig, während der Begrüßung der zahlreichen Teilnehmer unterstrich, sei dies vor allem der guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit aller Beteiligten zu verdanken. Sein besonderer Dank galt an dieser Stelle den Gründern der ersten Stunde, die auch zehn Jahre später noch mit Begeisterung dabei seien: Stefan Wölfel, 1. Vorsitzender des BVK-Nordbayern, Uwe Dressel, Pressesprecher des BVK-Nordbayern, Michael Höring, Bayreuther Repräsentant des BWV Nordbayern-Thüringen sowie Gabriele Hohenner, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth, und Stefan Cordes, Leiter des Bereichs Recht und Steuern der IHK. Der jährliche Austausch sei angesichts der seit Jahren immer stärkeren Regulierung, der die Versicherungsbranche ausgesetzt sei, von besonderer Bedeutung. Rebhan erwähnte in diesem Zusammenhang beispielhaft auch die aktuellen Pläne der Bundesregierung zur Einführung eines Provisionsdeckels bei Lebens- und Restschuldversicherungen, gegen die die IHK-Organisation bereits Stellung bezogen habe.

Ein Thema, das von der Bundestagsabgeordneten Frau Dr. Silke Launert in ihrem Grußwort an die Teilnehmer noch einmal aufgegriffen werden sollte. Die gebürtige Oberfränkin gehört bereits seit 2013 dem Deutschen Bundestag an. Auch Launert äußerte Kritik an der Einführung eines Provisionsdeckels und betonte, dass sich die CDU/CSU-Fraktion in einer Stellungnahme bereits dagegen ausgesprochen habe. Während ihrer Tätigkeit als Richterin am Landgericht Hof im Zuständigkeitsbereich Kapitalanlagegeschäfte habe sie einige der großen Skandale, die die stärkere Regulierung auslösten, hautnah miterlebt. Das Fehlverhalten Einzelner dürfe jedoch nicht dazu führen, dass alle anderen in Mithaftung genommen werden. Durch überbordende Bürokratie werde Menschen auch ein Stück ihrer Freiheit genommen. Sie appellierte daher an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen und warnte vor einem Rückzug der Vermittler. Angesichts der Komplexität des Versicherungsmarktes sei eine fachkundige Beratung dringend notwendig. Je mehr sich der Berufszweig der Versicherungsvermittler zurückziehe, desto nachteiliger sei dies letztlich auch für den Verbraucher.

Die Zahl der Vermittler bewege sich dennoch bereits seit Jahren kontinuierlich abwärts, wie Prof. Dr. Beenken bei der Vorstellung der Ergebnisse der BVK-Strukturanalyse, der größten Vermittlerstudie in Deutschland, aufzeigte. Seit Einführung der IDD habe sich diese Entwicklung noch einmal deutlich beschleunigt. Nach dem Abschluss einer Lehre zum Versicherungskaufmann zog es Beenken an die Fachhochschule Dortmund, wo er seit 2010 am Fachbereich Wirtschaft auf dem Gebiet Versicherungswirtschaft lehrt. Die Strukturanalyse zeige zudem, so Beenken, dass es vor allem zwei Erfolgsfaktoren für Vermittlerbetriebe gebe: Mitarbeiter und Weiterbildung. Sinnvolle  Weiterbildungsmaßnahmen seien somit ebenso wichtig wie der gezielte Aufbau von Mitarbeitern. Investitionen in die persönliche Weiterbildung machten sich gemäß der Strukturanalyse letztlich auch positiv am Gewinn bemerkbar. Beenken erläuterte den sichtlich interessierten Zuhörern des Weiteren die wesentlichen Inhalte des aktuellen Gesetzentwurfs des Bundesministeriums der Finanzen für die Einführung eines Provisionsdeckels. Er zweifelte dabei nicht nur dessen Notwendigkeit an, sondern sparte auch nicht mit Kritik an dem derzeitigen Entwurf.

Einen Blick hinter die Kulissen in vielerlei Hinsicht gewährte anschließend Patrick Hufen, der seit 24 Jahren zunächst im Innendienst und nunmehr als Schadensregulierer für die HUK-Coburg tätig ist. Der gelernte Versicherungskaufmann erlangte größere Bekanntheit durch die TV-Serie „Die Versicherungsdetektive“, die seit 2009 bei RTL ausgestrahlt wird. Hufen gab den Teilnehmern zum Abschluss des diesjährigen Vermittlertages einen spannenden Einblick in seinen Alltag als Schadensregulierer sowohl vor als auch hinter der Kamera. Für Erstaunen sorgte, dass es sich bei den in der Serie dargestellten Sachverhalten laut Hufen um reale Fälle mit realen Protagonisten handle. Die Kamera begleite ihn bei seiner normalen Arbeit. Tauche er auf der eigenen Türschwelle auf, müssten sich Betroffene jedoch nicht gleich Sorgen machen, im Verdacht eines Versicherungsbetruges zu stehen. Als Schadensregulierer sehe er seine Aufgabe in erster Linie darin, zu helfen, und nicht darin, Versicherungsbetrüger zu jagen. Wenngleich es sich hierbei um eine interessante Abwechslung handle, einen vollständigen Wechsel ins Fernsehgeschäft könne er sich nicht vorstellen, gab Hufen zum Abschluss preis.

Dr. Silke Launert, Mitglied des Deutschen Bundestags.

IHK für Oberfranken Bayreuth
Susanne Göller
Leiterin Referat Gewerbe- und
Wirtschaftsverwaltungsrecht
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